Medien : „Ich muss das fragen“

ARD und ZDF kamen ums Thema Doping nicht herum

Friedhard Teuffel

Wenn es bei Olympischen Spielen um Doping geht, scheiden ARD und ZDF gerne im Vorlauf aus. Sie zeigen in dieser Disziplin eine bemerkenswert langsame Reaktionszeit, als sei Doping wie ein Skislalom, bei dem die Stangen erst kurz vorher aus dem Nebel auftauchen.

Und wie war es diesmal, bei den Winterspielen in Turin? ARD und ZDF haben sich immerhin für die Zwischenrunde qualifiziert. Als die italienische Polizei im Mannschaftsquartier der Österreicher eine Razzia durchführte, strahlte die ARD sogar einen Brennpunkt dazu aus. Doping zur besten Sendezeit – so viel Aufmerksamkeit hat das Erste dem Betrug im Sport lange nicht mehr gewidmet.

Der Einstieg in die Spiele war eher peinlich, als es gerade dem ZDF nicht gelang, kenntnisreich über die Schutzsperre gegen die Langläuferin Evi Sachenbacher-Stehle zu berichten. Doch verglichen mit den Erwartungen haben sich die öffentlich-rechtlichen Fernsehanstalten nach schwachem Start gesteigert. An manchen Tagen während der Spiele war ihnen wirklich das Bemühen um Aufklärung anzumerken. Das ZDF lud den Vorsitzenden der Welt-Anti-Doping-Agentur zum Gespräch ins Studio. Außerdem kamen Biochemiker zu Wort.

Der große Dopingskandal der Spiele kam ARD und ZDF aber auch entgegen: Ein unerlaubt angereister Biathlontrainer flüchtet zurück nach Österreich, rast in eine Polizeisperre und versucht sich auch noch das Leben zu nehmen. Am Ende landet er in einer Psychiatrischen Klinik. So lässt sich selbst im Fernsehen das Thema Doping einfach verkaufen.

Die Schwierigkeiten waren nicht zu übersehen, Dopingberichte noch in das aktuelle Programm einzubauen. Und Hintergründe des Dopings darzustellen, das gehört nach wie vor nicht zu den Stärken des Fernseh-Sportjournalismus. Der ernsthafte Erklärungsversuch blieb aus, was etwa Blutdoping ist und ob es nachgewiesen werden könnte. Während das Fernsehen sämtliche technischen Möglichkeiten nutzt, um den Sport so ästhetisch und transparent wie möglich zu zeigen, werden Beiträge zum Doping immer noch auf dem Niveau der Achtzigerjahre gedreht.

Auch beim Recherchieren von Nachrichten zum Doping tun sich die Fernsehanstalten nicht hervor. Vor allem aber ist eine grundlegende Schwäche geblieben: Es ist die Einstellung, dass Doping ein kriminelles Übel am Rand des Sports sei und nicht etwa ein Phänomen aus der Mitte des Sports. Daher verwundert es nicht, dass sich um das Thema oft nicht die Sportreporter kümmern. Beim ZDF berichtet Elmar Theveßen seit fünf Jahren über die Manipulationen im Sport. Ansonsten ist er der Terrorismusexperte des Senders. Schon vor zwei Jahren bei den Olympischen Sommerspielen in Athen war zu beobachten, dass Doping meist an die politischen Magazine abgeschoben wurde.

Die Sportreporter von ARD und ZDF verstehen sich dagegen nach wie vor meist als Dokumentare der Bewegung und des Jubels. Ihre Kollegen aus Radio und Presse machen es dabei zwar selten besser. Abhängig von der Quote fürchtet das Fernsehen allerdings besonders um den Unterhaltungswert des Sports und macht sich daher bisweilen zum unkritischen Verteidiger der Athleten. Die Moderatoren leiten ihre Fragen an die Sportler zum Doping oft mit kumpelhaften Gesten ein: Du weißt doch, ich muss das noch fragen, aber gleich plaudern wir wieder über deine Medaille. Es fehlt nur, dass die Moderatoren sich für ihre Fragen auch noch entschuldigen.

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