Medien : „Ich plane keine kreative Pause“

Also doch: Anke Engelkes Late-Night-Show wird abgesetzt, zum 21. Oktober

Barbara Nolte

Schon im Juli sagte der ProSieben Sat1- Geschäftsführer Guillaume de Posch einen Satz, den viele als Ultimatum für Anke Engelkes Late-Night-Show verstanden: Im Herbst erwarte er für die Sendung einen zweistelligen Marktanteil. Der Herbstanfang ist knapp zwei Wochen vorbei, und am Montag hatte „Anke Late Night“ wieder nur einen Marktanteil von 5,6 Prozent. Umgerechnet sind das gerade mal 640 000 Zuschauer.

Als Sat 1-Chef Roger Schawinski gestern zu Brainpool nach Köln reiste, wo die Sendung produziert wird, lag in der Luft, dass es mit der Engelke-Show zu Ende gehen würde. Am Nachmittag kam dann die Meldung: „Anke Late Night“ läuft am 21. Oktober zum letzten Mal. Nur zwei Zitate von den Beteiligten gab es dazu; interviewen lassen wollte sich keiner. Anke Engelke sagte: „Schade, dass die Sendung nicht mehr Zuschauern so viel Spaß gemacht hat wie meinem Team und mir. Im Übrigen plane ich keine kreative Pause.“ Roger Schawinski ließ verlauten, was Chefs in solchen Fällen eigentlich immer verlauten lassen: Dass „die Entscheidung, ,Anke Late Night’ zu beenden, niemandem leicht gefallen“ sei. „Sie ist das Ergebnis langer und intensiver Überlegungen und Gespräche und die Konsequenz aus der Quotenentwicklung.“

Doch im Fall von Schawinski ist der Satz wohl ernst gemeint. Schon weil das Scheitern der Sendung ihm selbst angelastet wird. Schawinski engagierte Anke Engelke, nachdem Harald Schmidt kurz nach Schawinskis Amtsantritt bei Sat 1 seine Show hingeworfen hatte. Die Personalie Anke Engelke brachte Schawinski in der Medienszene viel Respekt ein, denn fast allen galt Engelke als die beste Wahl für die Schmidt-Nachfolge. Doch trotz einer der größten PR-Wellen in der deutschen Fernsehgeschichte überzeugte die Sendung Kritiker und Zuschauer nie. Nach einem Marktanteil von 15,5 Prozent in der Zielgruppe der 14- bis 49-Jährigen im Auftaktmonat Mai, stürzte sie im Juni auf 8,5 Prozent ab, wo sie sich einpendelte; Vorgänger Harald Schmidt hatte dagegen einen Marktanteil von ungefähr 11 Prozent.

Immer, wenn der Start einer Sendung misslingt, wird daran herumexperimentiert. So auch bei „Anke Late Night“. Vor der Sommerpause wurde die Anfangszeit an einem Wochentag auf 22 Uhr 15 vorverlegt, angeblich um sich damit eine Zielgruppe von Frauen zu erschließen, die um 23 Uhr schon schlafen. In der Sommerpause wurde das Studio verkleinert, damit es weiblicher wirke. Es half nichts.

Schawinski hat fast bis zuletzt den Optimisten gegeben. Engelkes Show würde ein „Riesenerfolg“ werden, sagte er immer wieder. Man müsse nur abwarten. Harald Schmidt habe auch seine Zeit gebraucht. Und Engelke hat einen Drei-Jahres-Vertrag. Jetzt hat Schawinski doch die Geduld verloren. Was mit den 60 Mitarbeitern der Show passiert, steht laut Brainpool noch nicht fest.

Mit Anke Engelke, 38, wolle Sat 1 auf jeden Fall weiter zusammenarbeiten, hieß es in der gestrigen Pressemitteilung. Neue Episoden von „Ladykracher“, aber auch „Primetime-Shows“ und „Specials“ kündigte der Sender an.

Rudi Carrell hat also seine Wette gewonnen. Schawinski muss ihm 20 000 Euro zahlen; beide hatten um den Erfolg von „Anke Late Night“ gewettet. Aber das wird Schawinskis kleinstes Problem sein. Viele der neuen Sat 1-Formate laufen nicht besonders, die groß angekündigte Show „Kämpf um deine Frau“ läuft sogar schlecht. Außerdem muss er nun für den prestigereichsten Sat 1-Sendeplatz etwas Neues finden. Zunächst laufen statt der Late-Night-Show die „HeliCops“.

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