Medien : „Ich streike mit“ – „Ich streike selbstverständlich nicht“

Deutschland-Korrespondenten italienischer Medien äußern sich zum Journalisten-Streik in ihrem Land

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Francesca Sforza, DeutschlandKorrespondentin „La Stampa“: Ich streike mit, aus Solidarität, obwohl ich persönlich gar nicht glaube, dass die Pressefreiheit in Italien bedroht ist. Ich kann immer schreiben, was ich für richtig halte – ohne politischen Druck. Der Unterschied zu Deutschland ist, dass die italienischen Zeitungen keinen reinen Medien-, sondern Mischkonzernen gehören, die sich aus Prestige, aber auch aus Gründen der Beeinflussung der öffentlichen Meinung eine Zeitung halten. „La Stampa", bei der ich arbeite, gehört zum Beispiel zu Fiat. Gut, vielleicht kann man nicht unbedingt einen superkritischen Artikel über Fiat darin lesen - aber den findet man dann in „La Repubblica", die wiederum, was ihren Eigner angeht, etwas zurückhaltender sein wird.

Salvo Ricci-Mazzolini, Korrespondent für die Mediaset-Fernsehsender (Berlusconi): Die Pressefreiheit ist in Italien nicht in Gefahr. Überhaupt nicht. Oder nennen Sie mir ein einziges Beispiel! Die Gewerkschaften machen diesen Streik aus politischen Gründen, weil sie gegen diese Regierung sind. Ich streike selbstverständlich nicht.

Carmen Lasorella, Korrespondentin der RAI: In diesem Streik geht es um die Wahrung der Grundprinzipien der Berufsausübung, für die Unabhängigkeit von den politischen Kräften. Es geht dabei nicht, wie in der Vergangenheit, um Vertragserneuerung, also nur um wirtschaftliche Gründe. Also um einen Streik, geboren aus dem Unbehagen und einer bedrückenden Stimmung, der sich nicht die Politik richtet. sondern um das Unterstreichen der notwendigen Unabhängigkeit von der Politik. Ein Appell an die Grundprinzipien ist immer angebracht. Betrachten wir die Verschiedenheit der Zeitungs- und Fernsehprogramme, national und regional, und damit die unterschiedlichen Problematiken der Journalisten in ihrem Arbeitsumfeld: Eine solche allgemeine Frage zu stellen, in der sich alle wieder erkennen köennen, kann den Berufsstand der Journalisten vereinigen, in einem Moment, in dem er tatsächlich geteilt und geschwächt ist. Dass wir in Italien eine besondere Situation erleben, bestätigen übrigens auch die eindringlichen Appelle des Papstes und des Präsidenten der Republik, Azeglio Ciampi, zur Wahrung der Information.

Ein Streik ist dann ein Zeichen des professionellen Stolzes und der Würde, die zur Rolle des Journalisten gehören.

Paolo Valentino, Deutschland-Korrespondent „Corriere della Sera“: Ich bin besorgt über die Lage der Pressefreiheit in Italien. Aber ich sehe auch, dass die italienischen Zeitungen, auch der „Corriere della Sera", stark genug sind, um möglichen Druck der Regierung auszuhalten. Dass der Rücktritt unseres Chefredakteurs ein Beispiel für politische Einflussnahme sein soll, kann ich so nicht teilen. Und unser neuer Chefredakteur sagte gerade vor der Redaktion, er wolle die politische Richtung des „Corriere" beibehalten. Es gibt keinen Grund, ihm das nicht zu glauben.

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