Medien : „Ich war immer ein Musterschwiegersohn“

Christoph Maria Herbst alias Bernd Stromberg gilt als Fernsehfiesling Nummer eins. Mit „Hilfe! Hochzeit!“ soll sich das nun ändern

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Harald Schmidt mag Sie, Stefan Raab sowieso, Anke Engelke schwärmt regelrecht von Ihnen. Als Eisbär Knut verkleidet wurden Sie kürzlich bei „Wetten, dass..?“ von den Gästen gestreichelt. Gibt es eigentlich jemanden, der Sie nicht mag, Herr Herbst?

Hat Harald – die Eitelkeit konzedieren Sie mir bitte –, hat Harald Schmidt von mir geschwärmt?

Er war in seiner Sendung ausgesprochen nett zu Ihnen.

Stimmt, da ist er zum Glück ein schlechter Schauspieler.

Und die anderen?

Was im Untergrund brodelt, weiß man nie. Aber es stimmt schon, im Augenblick reite ich auf dem Kamm einer Welle. Ich darf Hörbücher einlesen, auf Lesereise gehen, in Kinofilmen mitspielen, Fernsehen machen.

Ein bisschen viel.

Ja, eigentlich bin ich viel zu präsent. Aber die Inflation ist, glaube ich, noch nicht da. Ich versuche ja, dem schauspielerischen Kodex gemäß, hinter meinen Figuren zurückzutreten.

Sie gelten als Männerversteher. 2006 hat Sie eine Männerzeitschrift sogar zum Fernseh-Mann des Jahres gekürt. Was macht einen modernen Mann aus?

Wenn ich das wüsste. Sich zu verstellen, ist auf jeden Fall Unsinn. Ich versuche, so zu leben wie ich bin. Ich bin mit zwei älteren Schwestern aufgewachsen, das hat mich geprägt. Das Weibliche steckt ja schon in meinem zweiten Vornamen.

Maria. Ihre Schwestern heißen auch so.

Katholisches Elternhaus.

Sind Sie gläubig?

Als katholisch würde ich mich nicht bezeichnen, eher christlich geprägt. Diesen Glauben versuche ich auch zu leben. Aber noch mal zurück: Ich sehe mich weder als Männer-, noch als Frauen-, sondern als Menschenversteher. Ich gehe philanthropisch durchs Leben, auch wenn meine Humorfarbe momentan die des Zynismus ist.

In Ihrer neuen Serie „Hilfe! Hochzeit! Die schlimmste Woche meines Lebens“ widerfährt Ihnen als Bräutigam in spe eine Katastrophe nach der anderen. Wie halten Sie es selbst mit der Ehe?

Ich habe Respekt vor jedem, der sich traut. In meinem Bekanntenkreis habe ich aber schon viele Ehen in die Brüche gehen sehen, häufig mit rosenkriegsähnlichen Schlammschlachten. Furchtbar! Ich selbst habe mich ohne Trauschein immer wohlgefühlt. Von wem sollen wir uns attestieren lassen, dass wir uns lieben: vom Staat, von der Kirche? Wir wissen um einander. Aber ich will das für meine mittel- und langfristige Zukunft überhaupt nicht ausschließen.

Ein Politikersatz.

War aber nicht so blöd gemeint.

Wie sähe Ihr Antrag aus: klassisch, mit Rosen, Kniefall und Erlaubnis des Brautvaters? Oder eher formlos?

Wenn ich das wüsste. Ich glaube, der wäre wenn, dann unerwartet. Nicht auf den Malediven, im Schein der untergehenden Sonne. Eher beim Badputzen.

In der ersten Folge der neuen Serie verbaseln Sie den Ring der Zukünftigen und fassen deren Mutter an die Brüste. Waren Sie im richtigen Leben eigentlich einer, der bei den Eltern seiner Freundinnen gut ankam?

Oh, ja! Ich war immer ein Musterschwiegersohn. Das hängt, glaube ich, mit meiner Erziehung zusammen.

Wie das?

Ich weiß um Umgangsformen. Ich weiß um eine gewisse Etikette und um bestimmte Werte, die mir meine Eltern mitgegeben haben. Ich habe immer versucht, den Eltern von Freundinnen auf Augenhöhe zu begegnen, mich weder ranzuwanzen noch auf dicke Hose zu machen. Ich backe kleine Brötchen und beobachte erst mal. Als Schauspieler muss man, auch wenn das jetzt schwer nach Stromberg klingt: ein Chamäleon sein.

Aber Joachim Witte, den Sie jetzt spielen, erinnert mit seinen Halbsätzen und missratenen Gags doch sehr an Bernd Stromberg. Nur mit Haaren und ein bisschen netter.

Das tut jetzt weh.

Vielleicht liegt es an uns Zuschauern.

Vielleicht. Bernd Stromberg ist für mich Fluch und Segen zugleich, wobei der Segen noch eindeutig überwiegt. Wer bei mir den Stromberg sucht, wird ihn immer finden. Das ist mein Körper, meine Stimme, hier und da auch mein Gestus. Bei Joachim Witte habe ich mich schon um eine andere Haltung bemüht. Der sieht auch anders aus, mit dem Fiffi auf dem Kopf.

Wie war das mit Toupet?

Man merkt es irgendwann nicht mehr. Nur wenn das Ding wieder runterkommt, kriegt man die Krise. Es stimmt ja: Man sieht mit Haaren einfach sechs, sieben Jahre jünger aus. Deshalb laufen Toupets ja auch so gut.

Haben Sie schon mal privat versucht, Ihre Glatze zu kaschieren?

Nein. Eine echte Glatze habe ich ja auch nicht, eher eine Art Dreitagebartfrisur .

„Hilfe! Hochzeit!“ ist eine Adaption der BBC-Reihe „The Worst Week of My Life“, wie „Stromberg“ von „The Office“. Ist doch was dran am britischen Sinn für Humor?

Unbedingt.

Ihr Alfons Hatler, alias Hitler, aus dem „Wixxer“ hat sehr britische Züge. Die Kommentare bei YouTube sind frenetisch. Wann bekommt Alfons eine eigene Serie?

Nach dem ersten Teil vom „Wixxer“ kam tatsächlich ein Produzent auf mich zu, der mir eine ganze Hatler-Serie auf den Leib schneidern wollte. Das sind Dinge, die ich dann sehr gerne nicht mache.

Viele halten Sie für den besten deutschen Hitler-Darsteller.

Aber es gibt noch den besten schweizerischen Hitler, und das ist Bruno Ganz.

Mögen Sie deutsches Comedy-Fernsehen?

Jein. Ich ertappe mich immer dabei, wie ich schnell umschalte. Damit ist eigentlich alles gesagt. Das meiste, was die Deutschen machen, ist mir zu quietschig, zu bunt. Ich glaube den meisten nicht, was sie spielen. Oder ich merke die Technik, die die Lacher evozieren soll. Ich mag es, wenn Torten fliegen – nur müssen die auch zielsicher geworfen werden.

Gibt es jemanden, mit dem Sie noch nicht gearbeitet haben und gerne mal würden?

Eine große Freude ist es immer mit Anke Engelke. Von ihr habe ich wirklich sehr viel gelernt. Ich habe die größte Zuneigung zu dem, was Hape Kerkeling so treibt. Mit dem hatte ich leider noch nicht das Vergnügen zusammenzuarbeiten. Ansonsten stammen die meisten meiner Vorbilder aus Amerika. Leute wie Billy Crystal, Steve Martin, die als Stand-up-Comedians angefangen haben. Oder Jim Carrey, der hat es auch als Charakterdarsteller geschafft. Da muss in Deutschland noch einiges passieren. In Amerika dürfen die Kollegen in den verschiedensten Serien spielen, dann was ganz anderes im Kino machen und zwischendurch einen Werbeclip als Tomate auf zwei Beinen. Diese Toleranz würde ich mir hier wünschen. Ich habe keinen Bock bis ins Alter von Johannes Heesters nur lustig zu sein.

Das Interview führte Marc Felix Serrao

„Hilfe! Hochzeit!“; Sat 1, 21 Uhr 15, immer freitags

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