Im Aufschwung : Mobile Hoffnung

Die Zeitschriftenbranche setzt auf Online-Geschäfte und kritisiert Netzportale von ARD und ZDF.

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Die im Juni eingeführte Bezahlschranke der „Times“ gilt in der Verlagsbranche als Lackmustest, wofür Internetleser zu zahlen bereit sind. Foto: AFP
Die im Juni eingeführte Bezahlschranke der „Times“ gilt in der Verlagsbranche als Lackmustest, wofür Internetleser zu zahlen...Foto: AFP

Die Zeitschriftenbranche befindet sich im Aufschwung. Nach dem Krisenjahr 2009 dürfen sich die Verleger in diesem Jahr wieder über wachsende Umsätze freuen – auch wenn das Plus nur klein ausfällt: Um rund ein Prozent auf 6,9 Milliarden Euro ist der Gesamtumsatz der Branche 2010 im Inland gewachsen, für 2011 wird erneut eine Umsatzsteigerung von knapp einem Prozent erwartet. Das teilte der Verband Deutscher Zeitschriftenverleger (VDZ) am Dienstag bei seiner Jahrespressekonferenz in Berlin mit.

Die positive Entwicklung der Branche ist nicht allein durch die insgesamt positive Entwicklung der Wirtschaft bedingt. Sondern die Verleger profitieren auch davon, dass sie ihre Online-Aktivitäten ausgebaut haben. Allerdings bleibt ihnen nichts anders übrig: Anzeigen und Vertrieb, die beiden wichtigsten Erlösquellen, tragen zum Umsatz immer weniger bei. Noch macht ihr gemeinsamer Anteil 70 Prozent aus, schrumpft aber in den kommenden drei Jahren auf 64 Prozent, so der VDZ. „Wir werden deshalb einen Wandel zugunsten des internet- und onlinebasierten Geschäfts erleben“, sagte VDZ-Hauptgeschäftsführer Wolfgang Fürstner. Derzeit betrage dieser Bereich acht Prozent am Umsatz, werde aber bis 2010 auf 11,4 Prozent wachsen.

„Wir ermuntern die Verleger, auf Bezahlinhalte zu setzen, denn die Qualität der journalistische Angebote kann nur erhalten werden, wenn die Finanzierung stimmt“, sagte Fürstner. Bei PCs sei die Umstellung von kostenlosen auf kostenpflichtige Angebote ein „ambitioniertes Anliegen“. Hoffnungsträger der Branche sind deshalb die mobilen Dienste, also die Bereitstellung von journalistischen Inhalten auf Geräten wie internetfähigen Handys oder Tablet-PCs wie das iPad. Hier seien die Nutzer bereits daran gewohnt, für Inhalte zu bezahlen. Immer mehr Verlage entwickeln deshalb Applikationen, so genannte Apps, für mobile Geräte. Durch solche Angebote hoffen sie, für jüngere Leser attraktiver zu werden und neue Zielgruppen zu erreichen.

Doch werde es den Verlagen erschwert, ihr internet- und onlinebasiertes Geschäft auszubauen, heißt es vom VDZ. Zum einen durch den US-Konzern Apple, Hersteller von Geräten wie iPhone und iPad. Das Unternehmen, das Apps über seinen iTunes-Store vertreibt, kassiert 30 Prozent der Erlöse und behält sich vor, die Inhalte der Apps zu kontrollieren, kritisierte Fürstner. Wichtig sei deshalb, dass die Verlage mit eigenen Vetriebswegen die Hoheit behalten über Anzeigen, Inhalte, Endkundenbeziehung und Preisgestaltung.

Regelrecht wütend sind die Verleger auf die öffentlich-rechtlichen Sender ARD und ZDF. Es sei eine „staatliche finanzierte Wettbewerbsverzerrung“, dass Verlage mit ihren privatwirtschaftlich finanzierten Angeboten gegen die gebührenfinanzierten Angebote der Sender im Netz konkurrieren müssten. Als Beispiel nannte Fürstner die kostenlose „Tagesschau“-App.

Der Drei-Stufen-Test, mit dem die öffentlich-rechtlichen Sender ihre Online-Inhalte auf ihre Legitimität hin überprüfen lassen müssen, habe versagt. Vielmehr seien die öffentlich-rechtlichen Rundfunkanstalten in eine „digitale Offensive“ gegangen, die die Pressevielfalt und Meinungspluralität gefährde, sagte Fürstner. Dass die Sender wegen des Drei-Stufen-Tests jeweils mehr als 100 000 Artikel aus ihrem Online-Angebot gelöscht haben, reicht Fürstner nicht. Er fordert von der Politik, die Aktivitäten von ARD und ZDF im Netz „auf ein nicht wettbewerbsrelevantes Ausmaß“ zu beschränken. Eine ARD-Sprecherin erklärte hingegen, mit Mehreinnahmen infolge des neuen Gebührenmodells sei nicht zu rechnen. Außerdem könnten die Anstalten ihre Online-Aktivitäten nicht beliebig erweitern. Für den Umfang der Internetangebote gebe es klare Regeln.

Doch die Zeitschriftenverleger sehen ihre Zukunft nicht allein im Online-Bereich. Auch in ihrem Kerngeschäft, den gedruckten Magazinen, können sie Erfolge verbuchen. 90 Prozent der Deutschen zwischen 14 und 69 Jahre lesen laut einer VDZ-Umfrage trotz wachsender Online-Nutzung werktags mindestens eine halbe Stunde lang in Zeitschriften. Und zum Lesen stehen den Menschen immer mehr Titel zur Verfügung. Zwar seien im laufenden Jahr 120 Zeitschriften eingestellt worden, dafür aber 129 Titel neu auf den Markt gekommen.

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