Medien : Im Blick zurück

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IM RADIO

Tom Peuckert verrät, was

Sie nicht verpassen sollten

Der große Brecht hat Stücke fürs Radio geschrieben und sogar eine Radiotheorie erdacht, in der es um die Überwindung des bürgerlichen Radiobetriebs ging.

Aber Brecht hat nie selbst im Radio inszeniert. Da mussten seine Meisterschüler ran, etwa Egon Monk , der 1953 „Die Gewehre der Frau Carrar" für den DDRRundfunk in Szene setzte. Die dialektische Legende von der Fischerswitwe Teresa Carrar, die ihren Sohn im Krieg verliert, weil sie ihn vorm Krieg retten möchte. Die geistige Überwindung des Pazifismus durch einen kämpferischen Pazifismus.

Das Hörspiel ist prominent besetzt mit Helene Weigel, Ekkehard Schall und Erwin Geschonneck. Im Anschluss läuft ein Gespräch mit Egon Monk über die Zeiten, als in Berlin noch die Brecht-Gardine wehte (Deutschlandradio, 20. Juli, 18 Uhr 30, UKW 89,6 MHz).

Man kann die Vergangenheit natürlich auch musikalisch wiederbeleben. Ein bewährtes Mittel für Nostalgiker, Tagträumer, Wirklichkeitsflüchter. Beim Deutschlandradio gibt es dazu jetzt Gelegenheit im großen Stil. „Deine Spuren im Sand" heißt die von Wolfgang Koczian moderierte „Lange Ol die-Nacht" . Reflexionen zum Thema, Gespräche mit Experten, aber vor allem musikalische Praxis. Elvis, Janis Joplin, Middle of the Road, Phil Collins. Jede Menge mythisches Material aus einer Zeit, in der wir jung und glücklich waren, den Rausch und die Liebe feierten, unser Leben im Heldenglanz erstrahlte. Eine Nacht, in der autobiografische Sentimentalität nicht nur erlaubt, sondern sogar erwünscht ist (25. Juli, ab 23 Uhr 05).

In eine mythenselig Vergangenheit führt auch Ingomar von Kieseritzkys Hörspiel „Fortune oder Die Tücke des Objects" . Es geht zurück ins Weimar des Jahres 1854. An einen Musenhof, dessen glänzendste Geister allesamt bereits im Grabe modern. Pech für die drei spleenigen Engländer, die in Weimar nach Austellungsobjekten für ein geplantes Klassik-Museum suchen. Aber dann finden sie doch noch eine Reliquie: Johann Peter Eckermann, Goethes getreuen Voicerecorder.

Ob der bereit ist, als Museumsstück nach England zu übersiedeln? Kieseritzky ist ein Autor, dem so etwas wie barocke Ironie zu Gebote steht. Das macht seine Weimarer Kapricen zur vergnüglichen Angelegenheit (SWR 2, 20. Juli, 16 Uhr 05, Kabel UKW 107,85 MHz)

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