Im Fernsehen : Krachende Webstühle

Am Tag der Arbeit startet das Erste den Dreiteiler "Die stählerne Zeit" über die industrielle Revolution.

Thomas Gehringer

Friedrich Engels war ein strenger, fleißiger Protestant. „Arbeit ist das rechte Präservativ gegen Melancholie“, schrieb er einmal. Der Kaufmann aus Barmen ließ 1843 im Bergischen Land eine Baumwollspinnerei nach modernem englischen Vorbild bauen. Fast die Hälfte der Arbeiter in seiner Fabrik waren Kinder. Doch während in Schlesien die Weber den von Heinrich Heine literarisch verewigten Aufstand probten, blieb es an der Wupper ruhig. Allerdings machte Friedrich Engels der älteste Sohn Kummer: Bereits als 18-jähriger Lehrling schrieb Friedrich junior 1839 in seinen „Briefen aus dem Wupperthal“ spitz, dass die reichen Fabrikanten ein „weites Gewissen“ hätten. Der Sohn aus wohlhabendem Hause übernahm nicht die Fabrik, sondern begründete mit Karl Marx den Kommunismus.

Nicht nur denen, die nicht so recht wissen, wo die historischen Wurzeln der Arbeiterbewegung zu suchen sind, sei der ARD-Dreiteiler „Die stählerne Zeit“ empfohlen. Das Erste strahlt am Feiertag zwei Folgen („Die Not der Weber“, „Das Reich des Stahlbarons“) hintereinander aus. Der dritte Teil („Der Stolz der Arbeiter“) wird am Sonntag gesendet. Die Reihe erzählt von den gewaltigen Umbrüchen der industriellen Revolution im 19. und beginnenden 20. Jahrhundert, es geht um Textil aus Wuppertal, Stahl aus dem Saarland und Kohle aus dem Ruhrgebiet. Und weil das Fernsehen am liebsten von Menschenschicksalen erzählt, geschieht dies in jeder Folge mit einem Doppelporträt.

Immer sind es die Geschichten jeweils eines Unternehmers und eines Arbeiters. Ein weiterer Pluspunkt ist, dass es sich nicht um die ganz großen Namen handelt, die Krupps und Thyssens, sondern um bedeutende, aber weniger bekannte Persönlichkeiten. So erinnert Rüdiger Mörsdorf in Folge zwei an den „König von Saarabien“, wie der Stahlbaron von Neunkirchen, Karl Ferdinand Stumm, genannt wurde. In der ersten Folge stützt sich Autorin Anne Roerkohl auch auf die Erinnerungen von Hermann Enters, der als Sohn einer Weberfamilie in Wuppertal aufwuchs, später dem Elend durch Auswanderung entfloh und seine Erlebnisse vor seinem Tod 1940 in den USA aufschrieb.

Die Inszenierungen sind wie so häufig in Dokumentationen etwas hölzern: Mancher imposante Bart wirkt ziemlich angeklebt, und Stahlkocher, die nicht schwitzen, lassen einen eher kalt. Doch der vielfältige Blick auf eine sich dramatisch verändernde Welt durch die Kamera von Norbert Bandel macht das wett. „Das Schiffchen fliegt, der Webstuhl kracht“, sogar im Fernsehen. Thomas Gehringer

„Die stählerne Zeit“, ARD, 1. und 2. Teil Freitag ab 18 Uhr 30, 3. Teil Sonntag, 13 Uhr 45

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