Im Fernsehen : Zickenkrieg

Cornelia Froboess und Rosemarie Fendel spielen in der ARD Schwestern zwischen Liebe und Hass.

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Wilma (Cornelia Froboess).
Wilma (Cornelia Froboess).Foto: ARD

Sie sind wie Feuer und Wasser: die Graue und die Blonde, die Lockige und die Strähnige, die Naive und die Hochintelligente, die Gutmütige und die Bösartige. Sechzig Jahre gemeinsames Leben, da entsteht eine unauflösliche Symbiose. Man nervt sich. Man hasst sich. Man liebt sich. Man betrügt sich. Eine Ehe ist nichts dagegen.

Zwei Schwestern im Rosenkrieg, das ist das Thema von Margarethe von Trottas Fernsehfilm „Die Schwester“, der nach einem Buch von Johannes Reben entstanden ist und an diesem Mittwoch in der ARD läuft. Es ist ein Netz der gegenseitigen Abhängigkeiten: Die eine ist arm, die andere gelähmt. Die eine braucht Luft, die andere kann das Haus nicht verlassen. Was passiert, wenn noch ein Mann ins Leben tritt? Und was ist stärker: der gegenseitige Überdruss oder der Appell der verstorbenen Mutter, sich umeinander zu kümmern?

Wer hier die Strippen zieht, ist keine Frage. Spätestens als Cornelia Froboess mit rot bemalten Wangen und roten Schleifen in den Zöpfen dasitzt, ist auch das große Vorbild offensichtlich. „Was geschah wirklich mit Baby Jane?“ hatte 1962 die verfeindeten Diven Joan Crawford und Bette Davis gegeneinander ins Feld geführt. 1991 entstand ein Remake mit Vanessa und Lynn Redgrave, 2003 griff Oskar Roehler den Stoff mit Hannelore Elsner und Iris Berben auf. Nun sind es Rosemarie Fendel und Cornelia Froboess, die sich als Schwestern Margot und Wilma das Leben zur Hölle machen.

Wenn es denn wirklich eine Hölle wäre. Die verbitterten Schwestern hängen mit einer Art Zärtlichkeit aneinander, Streit endet in Versöhnung, Bespitzelung in Fürsorge. Da hätte mehr Bosheit, Karikatur, Groteske sein müssen, um es mit dem Vorbild aufzunehmen. Oder mehr Mitgefühl. Mit dem Rentner Gregor (Matthias Habich), den Margot im Konzert kennenlernt, kommt vollends ein romantischer Ton ins Spiel, der den Film zum Kippen bringt. Margarethe von Trotta konnte sich nicht zwischen Satire und Ernst entscheiden. Christina Tilmann

„Die Schwester“, 20 Uhr 15, ARD

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