IM Gregor : Chefredaktion überprüft Stasi-Vorwürfe

Einer der leitenden Redakteure der "Berliner Zeitung", Thomas Leinkauf, hat für die Stasi gearbeitet. Wie seine Spitzelarbeit genau aussah, will das Blatt jetzt durch die Sichtung der 120 Seiten dicken Akte heraus finden.

Die „Berliner Zeitung“ überprüft derzeit die Stasi-Vorwürfe gegen ihren Mitarbeiter Thomas Leinkauf. Die Chefredaktion wolle die jetzt aufgetauchte Akte sichten und bewerten, teilte die Zeitung gestern auf ihrer Medienseite mit. Die Leser würden über das Ergebnis informiert.

Noch am Freitag hatte Chefredakteur Josef Depenbrock vermelden lassen, dass sich Leinkauf zu den Vorgängen ausreichend erklärt habe und aus seiner Sicht kein Anlass bestehe, Leinkaufs vorübergehende Beziehung zur Stasi heute noch durch berufliche Sanktionen zu ahnden. Am Freitag war aus einer Akte der Birthler-Behörde bekannt geworden, dass Leinkauf von November 1975 bis August 1977 für das Ministerium für Staatssicherheit (MfS) gearbeitet hat und als IM „Gregor“ geführt wurde, bis die Stasi die Zusammenarbeit auch wegen „unparteilichem Verhalten“ beendete. Leinkauf war damals Student an der Berliner Humboldt-Universität. Er versicherte, während seiner Zeit als Journalist nicht mit der Stasi zusammengearbeitet zu haben. Seit 1979 arbeitet Leinkauf für die „Berliner Zeitung“ und ist für die „Seite 3“ und die Wochenendbeilage verantwortlich.

Hubertus Knabe, Direktor der Stasiopfer-Gedenkstätte Berlin-Hohenschönhausen, kritisierte, dass sich Leinkauf immer wieder mit dem Thema Stasi befasst habe – ohne mitzuteilen, selbst Spitzel gewesen zu sein. „Es kann nicht sein, dass ehemalige Stasi-Leute das Profil des Blattes bestimmen und dabei Stimmung machen gegen die Aufarbeitung der DDR-Vergangenheit“, sagte Knabe. Erst im Januar erschien in dem von Leinkauf verantworteten Ressort ein Artikel über die Gedenkstätte, der sich äußerst kritisch mit Knabe befasste. Knabe ging daraufhin mit juristischen Mitteln gegen diesen Text vor. „Wenn ein Ex-Stasi-Informant unerkannt die Aufarbeitung der Stasi-Tätigkeit verunglimpfen lässt, ist das an Dreistigkeit kaum mehr zu überbieten“, so Knabe. Im Juni 2007 hatte Leinkauf mit Peter Pragal die Chefin der Birthler-Behörde, Marianne Birthler, interviewt. 2006 berichtete er über den Streit zwischen Jenny Gröllmann und ihrem Ex-Mann Ulrich Mühe, der sich um die Stasi-Mitarbeit Gröllmanns drehte. sop

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