Im Herzen der Hauptstadt : Der Zuruf über den Tisch

15.09.2010 19:23 UhrVon Christian Helten

Die Nachrichtenagentur dpa eröffnet ihre Zentralredaktion in Berlin

Bei der Deutschen Presse-Agentur (dpa) liegen Kreuzberg und der Tiergarten 152 Meter auseinander. So lang ist der neue Newsroom, den die dpa am Mittwoch im Beisein führender Politiker, an der Spitze Bundespräsident Christian Wulff, eröffnet hat; die verschiedenen Bereiche sind nach Berliner Stadtteilen benannt. Die zentralen Redaktionen arbeiten jetzt erstmals unter einem Dach, ja sogar auf einer Etage und sind nicht mehr auf sieben Gebäude in der Hauptstadt, in Frankfurt am Main und in Hamburg verteilt.

Der Umzug, der schon im Mai begonnen hat, habe die dpa einen mittleren zweistelligen Millionenbetrag gekostet, sagte dpa-Geschäftsführer Malte von Trotha.

Chefredakteur Wolfgang Büchner betonte, dass die Agentur den 2200 Quadratmeter großen Newsroom mit etwa 300 Arbeitsplätzen nicht für sich gebaut habe: „Der Newsroom ist eine Investition in die Qualität unseres Angebots.“

200 Mitarbeiter waren von dem Umzug betroffen, 64 sind nicht in die Hauptstadt mitgekommen. Die dpa hat 34 dieser Stellen nicht neu besetzt, weil durch die Zentralisierung „Parallelstrukturen abgeschafft“ werden konnten, wie Büchner sagte. „Transparenz und Kommunikation“ seien die Leitmotive bei der Auswahl des Gebäudes und der Gestaltung des Newsrooms gewesen. Die Redakteure sollten alle auf einer Etage untergebracht werden, damit sie „lieber zum Kollegen hinlaufen als Mails schreiben oder telefonieren“. Nichts sei wertvoller als der Zuruf über den Tisch und der Blick über die Schulter.

Bundespräsident Christian Wulff verlangte in seiner Rede von den Medien stärkere Qualitätssicherung: „Wir brauchen Orientierung im immer dichteren Gestrüpp von Meldungen, Mutmaßungen und Meinungen. Wir brauchen Journalisten, die Verantwortungsbewusstsein zeigen, denen wir vertrauen können, die verlässlich und glaubwürdig sind.“ Die besondere Rolle der Nachrichtenagenturen sah Wulff im genauen Prüfen und Abwägen. Man müsse „auch mal etwas weglassen, weil sich die gute Story am Ende doch als lahme Ente erwiesen hat“. Christian Helten

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