Medien : Im Internet ist immer WM

Mehr Archiv, mehr Klinsmann. Allein die Fifa-Seiten wurden bislang vier Milliarden Mal abgerufen

Kurt Sagatz

„Erfolg im Internet beruht auf der Herstellung von Aufmerksamkeit. Diese ist das Ergebnis eines perfekten Zusammenspiels von ansprechendem Webdesign, eingesetzter Technik und angewandtem Marketing“, heißt es auf der Webseite der Berliner Online-Werbeagentur „Internetwarriors“. Mit ihrer jüngsten Aktion ist dies den Internetkriegern sicherlich gelungen, denn die Webseite www.klinsmann-muss-bleiben.de konnte sich zwischenzeitlich gar nicht vor Aufmerksamkeit retten. Bis Freitagvormittag hatten sich fast 25 000 Internetnutzer in die Unterschriftenliste eingetragen, mit der Bundestrainer Jürgen Klinsmann zum Weitermachen aufgefordert wird. Am Donnerstag war es kaum möglich gewesen, die Seite überhaupt zu erreichen. „Die große Unterstützung für Jürgen Klinsmann bringt unsere Server zum Schwitzen“, hieß es über Stunden auf der Klinsmann-Homepage, die 1001 Gründe dafür sieht, dass dieser Bundestrainer über die Fußball-WM 2006 hinaus weitermacht – und sei es nur, „weil ihn die Holländer nicht bekommen dürfen“.

Dem Internet kam und kommt während dieser WM eine ganz andere Aufgabe zu als noch vor vier Jahren. Während der WM 2002 in Südkorea und Japan fanden die Spiele größtenteils während der Arbeitszeit statt, das Internet wurde zum wichtigsten WM-Informationsmedium. Anders 2006, die WM im eigenen Land fand live entweder vor dem Fernseher, beim Public Viewing oder – noch besser – im Stadion statt. Doch nicht nur beim Gemeinschaftserlebnis des öffentlichen Fernsehfußballs wurden alle Rekorde gebrochen, sondern auch im Internet. Die offiziellen WM-Seiten unter www.fifaworldcup.com wurden bis zum Freitag über vier Milliarden Mal abgerufen, sagte Charles-Henry Contamini, Direktor der Fifa-Abteilung New Media, dem Tagesspiegel. Bereits zur Halbzeit der WM hatte die Fifa-Webseite über 2,5 Milliarden Seitenabrufe und damit mehr als bei der gesamten WM 2002 gezählt.

Die offizielle Internetseite des Fußball-Weltverbandes Fifa wird während der WM rund um die Uhr in neun Sprachen von 50 Journalisten aus 20 Ländern produziert. Besonders beliebt sind die Videos von den besten Spielszenen, die 24 Stunden nach dem Abpfiff ins Netz gestellt wurden und die dort noch bis zum 31. Oktober zum Abruf stehen werden. Zwischen der Fifa und dem Rechteinhaber Infront laufen derzeit Gespräche, ob das Videomaterial nicht länger online zu sehen sein könnte, so Contamini.

Die WM und das Internet standen 2006 in einem direkten Wechselverhältnis. An WM-Tagen mit einem Spiel der deutschen Mannschaft ging die Internetnutzung schon Stunden vor dem Anpfiff massiv zurück, ermittelte das Hamburger Webcontrolling-Unternehmen E-Tracker. „Durch die WM ist der Internetverkehr in Deutschland jedoch nicht insgesamt eingebrochen, vielmehr hat sich der Konsum in die Vormittagsstunden verlagert“, sagte E-Tracker-Sprecher Christian Bennefeld. Und auch zwischen den Spielen kamen vor allem Webseiten mit Fußballthemen auf ihre Kosten, so Bennefeld.

Der beste deutsche TV-Kommentator der WM 2006 ist nach Meinung der Tagesspiegel-Online-Nutzer übrigens Béla Réthy vom ZDF. 28 Prozent gaben ihm ihre Stimme. Es folgten Marcel Reif vom Abosender Premiere (19 Prozent) und Wolf-Dieter Poschmann (18 Prozent) vom ZDF. Insgesamt beteiligten sich 1178 Onliner an der Abstimmung.

www.tagesspiegel.de/wm2006

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