Medien : Im Jammerland

Thomas Gehringer

Jede Klage über die deutsche Jammermentalität hat ein kleines Problem: Sie klingt selbst nach Jammern und Schwarzmalen. Konstantin Faigle probiert es dagegen mit Humor: Sein Dokumentarfilm „Die große Depression“ ist ein großes Vergnügen, eine Reise durch die deutsche Seelenlandschaft, nicht immer perfekt und professionell, aber witzig, ironisch und verspielt. Wer hier nicht lernt, über sich selbst zu lachen, ist selber schuld.

Wie in seinem Debütfilm „Out of Edeka“ inszeniert der Schwabe Faigle seine persönliche Geschichte: Als werdender Vater die Stimmung im Lande fürchtend („Ich und Deutschland waren depressiv“), zieht er mit einigen Freunden los, um der Sache auf den Grund zu gehen. In München forscht er nach dem deutschen Schwermuts-Gen. In Neuschwanstein schickt er ein König-Ludwig-Double unter die Touristen, um herauszufinden, ob die Deutschen mit einem Monarchen glücklicher wären. Er interviewt Walter Jens („ein berühmter Depressiver“) in Tübingen, Alice Schwarzer in Köln, ernsthafte Wissenschaftler und fröhliche Benediktinermönche. Er fährt mit seinem Vater in einem geliehenen Porsche durch seinen Heimatort Empfingen („das neidigste Dorf“) und provoziert Hartz-IV-Demonstranten in Leipzig mit dem Transparent „Deutsche, hört auf zu jammern!“

Immer nimmt sich Faigle selbst am wenigsten ernst, nur im Osten scheitert zuweilen sein Gespür für Selbstironie: Wenn er einem deutlich älteren Arbeitslosen erklärt, er habe doch als Filmemacher auch einen unsicheren Arbeitsplatz, ist das schon zynisch. Doch solche Misstöne und gelegentliche Albernheiten sind die Ausnahme in diesem Roadmovie, mit dem Jung-Regisseur Faigle auch gekonnt die dokumentarischen Feldzüge des Michael Moore parodiert.

„Die große Depression“: ZDF, 0 Uhr 05

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