Im RADIO : Amouren und Neurosen

Was Sie diese Woche im Hörfunk verpassen sollten.

Tom Peuckert

Der deutsche Gelehrte Max Weber gilt als Erfinder der modernen Soziologie. Er hat über Geld und Glauben als Ursprungsmächte des Kapitalismus geschrieben und über die Rationalisierung als Lebenselixier westlicher Gesellschaften. Er war ein Mann der „heroischen Moderne“, heißt es in einer Biografie, die nun zu Webers 150. Geburtstag erschienen ist. Das Feature „Alles, was er tat, war exzessiv“ von Ingeborg Breuer interessiert sich auch für das Privatleben des großen Mannes. Es soll an Amouren, Eskapaden und Neurosen nicht arm gewesen sein. Welchen Einfluss hat der Exzess auf die wissenschaftliche Erkenntnisarbeit? (Kulturradio vom RBB, 10. April, 22 Uhr 04, UKW 92,4 MHz)

Arthur Schnitzler studierte Medizin, bevor er sich der Dichtkunst zuwandte. Sein berühmtestes Theaterstück „Der Reigen“ brachte die sexuellen Eskapaden der Zeitgenossen so medizinisch genau zur Sprache, dass der Skandal gar nicht ausbleiben konnte. Die Lange Radionacht „Ich bin ein Dichter für Schwindelfreie“ von Eva Pfister porträtiert einen Helden des Wiener Fin de Siècle. Schnitzler diagnostizierte Sex als Flucht vor der Depression, Zynismus als Symptom einer allgemeinen Untergangsangst. Gemeinsam mit Sigmund Freud gehört der Dichter zu den großen Chronisten des untergehenden Habsburgerreiches (Deutschlandradio Kultur, 12. April, ab 0 Uhr 05, UKW 89,6 MHz).

Die Ausweitung der Märkte ist ein wichtiges Mittel, um das kapitalistische System am Laufen zu halten. Was eben noch ohne Geld funktionierte, soll plötzlich Ware sein. In jüngster Vergangenheit ist auf diese Weise auch das Ich zum Gegenstand unternehmerischer Aktivitäten geworden. Das menschliche Selbst, die Identität, könne man optimieren oder sogar neu erfinden, behaupten heute eine ganze Industrie von Beratern und tausende Sachbücher. In ihrem Feature „Auf der Jagd nach dem Selbst“ erzählen Susanne Luerweg und Sabine Oelze, wie unser Selbst zur Handelsware für Verbesserungsexperten geworden ist (Deutschlandfunk, 13. April, 20 Uhr 05, UKW 97,7 MHz).

Im antiken Mythos schützt Gott Hermes die Wanderer, aber auch die Diebe und Lügner. Nebenbei hat er ein ausgezeichnetes Verhältnis zu den Musen. Er trägt Flügelschuhe und manchmal eine Tarnkappe. Die Römer nannten ihn Merkur, für sie war er Beschützer der Redekunst und ein Gott, der an wichtigen Kreuzungen anwesend ist. Im Hörspiel „Mercury“ von Susanne Amateroso wird dieses diffuse Wesen zur Verkörperung all dessen, was flüchtig und in der Schwebe ist. Ein assoziatives Spiel mit alten Symbolen und neuen Deutungen (Deutschlandradio Kultur, Mittwoch, 16. April, 21 Uhr 33).

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