Im RADIO : Androiden und Heiner Müller

Tom Peuckert

Androiden sehen aus wie Menschen, sie sprechen und bewegen sich auch so, aber es sind doch nur Maschinen, die das Menschsein simulieren. Der amerikanische Schriftsteller Philip K. Dick hat einigen dieser Wesen zur Unsterblichkeit verholfen. Harry Lachners Feature „Der Feind in meinem Kopf“ erzählt von Dicks großen Romanen, in denen Traum und Paranoia ineinanderfließen. „Blade Runner“ und „Minority Report“ sind vor allem durch ihre Verfilmungen berühmt. Atemberaubende Geschichten aus einer Zukunft, die uns vielleicht nicht erspart bleiben wird (Kulturradio RBB, 1. Oktober, 22 Uhr 04, UKW 92,4).

Die Berliner Brunnenstraße reicht vom Rosenthaler Platz in Mitte bis zum Gesundbrunnen in Wedding. Sie verbindet zwei soziale Sphären, die an der kreuzenden Bernauer Straße aufeinandertreffen. Christine Nagels und Peter Ehwalds Feature „Gestaltungsfreie Zone“ erzählt von Geschichte und Gegenwart der Brunnenstraße. Wie man hier im August 1961 an den Rand der Welt geriet und wie nach dem Mauerfall zwei weit auseinandergedriftete Welten wieder zusammenwachsen sollten (Deutschlandfunk, 2. Oktober, 20 Uhr 10, UKW 97,7 MHz).

Was macht einen guten Alleinunterhalter aus? In Caroline Michels Feature „Jeden Abend Party“ hören wir zuerst von einer gewissen Stressresistenz. Kein Betrunkener darf ihn erschüttern, kein noch so übellauniges Publikum aus dem Konzept bringen. Der Alleinunterhalter soll nichts von seinen Zuhörern erwarten und muss trotzdem bereit sein, alles für sie zu geben. Dafür bekommt er Honorar, wird durchgefüttert und manchmal ein kleines bisschen geliebt (Deutschlandfunk, 4. Oktober, 20 Uhr 05).

Man kann Heiner Müllers berühmtes Drama „Hamletmaschine“ als tragische Lebensbilanz eines linken Intellektuellen lesen. „Mein Drama findet nicht mehr statt“, rief Müllers Hamlet schon im Jahr 1977. In den letzten Tagen der DDR entstand eine beeindruckende Radiofassung der „Hamletmaschine“. Müller ist selbst zu hören, die Musik stammt von der Band „Einstürzende Neubauten“ (Deutschlandradio Kultur, 5. Oktober, 0 Uhr 05, UKW 89,6).

In der DDR gab es nicht nur politische Verbrechen. Es wurde auch gestohlen und geraubt, erpresst und unterschlagen, manchmal gemordet. Allerdings durfte nicht groß darüber geredet werden, weil Kriminalität dem Sozialismus bekanntlich wesensfremd war. Keine allzu günstigen Arbeitsbedingungen für Krimiautoren. Wie man sich trotzdem aus der Affäre zog, kann anhand eines Krimis aus dem Jahr 1979 nachgehört werden. Hans Siebe, einer der erfolgreichen Krimiautoren der DDR, erzählt in „Santa Clara vor Arkona“ von einer Leiche am Ostseestrand (Deutschlandradio Kultur, 5. Oktober, 21 Uhr 33).

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