IM RADIO : Arme Männer, reiche Erbtanten

Tom Peuckert

Der zeitgenössische Mann ist nicht zu beneiden. Er bringt sich viermal häufiger um als eine Frau, stirbt im Durchschnitt sechs Jahre früher, taucht in den Statistiken öfter als Bildungsversager auf. Nora Bauers Feature „Showing some balls“ erzählt vom ganz normalen Mann und seiner großen Krise. In einer Welt, in der Kommunikationstalent und Konfliktfähigkeit hoch geschätzt werden, scheinen klassisch männliche Lebenstrategien plötzlich unbrauchbar. Männlichkeit, die ein Privileg war, ist zum Drama geworden (Deutschlandradio Kultur, 22. August, 18 Uhr 05, UKW 89,6 MHz).

Der Autor wusste genau, wovon er erzählt. Eben hatte er im Casino von Wiesbaden das Honorar für eine Gesamtausgabe seiner Werke verspielt. Innerhalb von vier Wochen musste er ein neues Buch liefern, sonst hätte sein gieriger Verleger ihn in der Hand. Also diktierte er einer Stenotypistin in Windeseile den Text eines Romans. Es ging um Spieler und ihre verzehrende Leidenschaft. Der alte General hat sein Vermögen verloren, die ganze Familie stürzt in Armut, letzte Hoffnungen ruhen auf einer reichen Erbtante. Aber auch die setzt beim Roulette und verliert in großem Stil. Fjodor Dostojewskis Roman „Der Spieler“ gibt es nun in einer schönen Radioadaption zu hören (Deutschlandfunk, 22. August, 20 Uhr 05, UKW 97,7 MHz)

Je stärker die Zivilisation, schrieb Norbert Elias, umso größer die Kontrolle des Menschen über seine Genusstriebe. In diesem Sinne darf man die Rauchverbote in Deutschland wohl als Zivilisierungsschub verstehen. Eine ganze Radionacht lang beschäftigt sich Autorin Beate Ziegs mit der klassischen Kontroverse zwischen Rauchern und Nichtrauchern. Es geht um den Konflikt zwischen individueller Freiheit und sozialer Verantwortung. Zwei Grundprinzipien unseres Lebens, die bei jedem öffentlichen Griff zur Zigarette aufeinanderstoßen. Ziegs’ Sendung „Haben Sie Feuer?“ blickt auf die Kulturgeschichte des Rauchens zurück und erörtert mit vielen Expertenstimmen die Problemlagen der Gegenwart (Deutschlandfunk, 22. August, ab 23 Uhr 05).

Für die Romantiker war es das Nationalepos der Deutschen. Die Geschichte Siegfrieds bis zu seiner Ermordung und Krimhilds Rache in rund zweieinhalbtausend Strophen. Entstanden im 13. Jahrhundert, auf der Basis germanischer Heldensagen. Regisseurin Beate Andres hat „Das Nibelungenlied“ fürs Hörspiel adaptiert hat. Eine deutsche Katastrohensaga um Gewalt, Macht, Liebe und Verrat (SWR 2, 23. August, 18 Uhr 20, Kabel UKW 107,85 MHz).

Die Krimis mit Prof. Dr. Dr. Dr. Augustus van Dusen, dem berühmten Detektiv, sind Kostbarkeiten der deutschen Hörspielgeschichte. Gemeinsam mit seinem Assistenten Hatch ermittelt van Dusen in spektakulären Milieus der vorletzten Jahrhundertwende. Im Krimi „Professor van Dusen im Wilden Westen“ führt Autor Michael Koser das eigenwillige Paar nach Santa Fé in New Mexico (Deutschlandradio Kultur, 24. August, 21 Uhr 33).

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