Im Radio : Banker und Bastionen

Tom Peuckert verrät, was Sie im Radio in den nächsten Tagen nicht verpassen sollten.

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Das Innenleben des Finanzmarktes erkundet Anna Katharina Laggners Feature „Eat what you kill“. Die Autorin hat Angestellte der Wall Street getroffen und sie über ihre beruflichen Erfahrungen und ihr Arbeitsethos befragt. Es handelt sich um Banker, die im Zuge der großen Krise entlassen worden sind, was ihre Aussagefreudigkeit nun deutlich erhöht. Gespräche über das Schwimmen in den Geldströmen, über die Sitten im Business und die Frage, wieso trotz dramatischer Turbulenzen eigentlich weiter enorme Vermögen angehäuft werden. Eine Recherche zu den Ursachen der Krise, genau dort, wo sie verursacht wurde (Kulturradio vom RBB, 11. September, 09 Uhr 05, UKW 92,4 MHz).

Wenn einer etwas Gutes für die Menschheit erfindet, muss er hinterher erklären, wie selbige mit seiner Schöpfung umgehen soll. So kommt die Gebrauchs- oder Bedienungsanleitung in die Welt. Auch dies ein höchst interessantes Kapitel unserer Kulturgeschichte, wie Veronika Bocks und Ulrich Biermanns Feature „Solange sie können vorwärtz und abwärtz“ beweist. Die Autoren haben sich mit der an Kuriosa reichen Historie der Bedienungsanleitungen befasst und sind dabei ins Philosophieren gekommen. Soll eigentlich die neue Apparatur, das neue Werkzeug via Anleitung an den User angepasst werden? Oder sollte sich besser der Nutzer, gemäß der hier erhältlichen Instruktionen, an die neue Technik anpassen? Wer Gebrauchsanleitungen genauer liest, wird diesbezüglich durchaus ins Zweifeln kommen (Deutschlandfunk, 12. September, 20 Uhr 05, UKW 97,7 MHz).

Wer sich nicht nur von einem Großbanker die Lebenswelt der Migranten in Deutschland erklären lassen möchte, sollte Serpil Turhans Feature „Jahrgang '76“ nicht verpassen. Die Autorin hat mit drei Mittdreißigern gesprochen, deren Eltern aus der Türkei nach Deutschland kamen. Sie selbst sind in Berlin-Neukölln aufgewachsen und leben von Anfang an zwischen Assimilationsdruck und Verführung zur Abgrenzung. Haben sie zwei Heimaten oder gar keine? Zwei Muttersprachen oder gar keine? Dass Turpans Protagonisten hier ganz unterschiedliche Ansichten äußern, macht nur deutlich, wie komplex und einfühlsam Integrationspolitik jenseits der Stammtische vorgehen muss (Deutschlandradio Kultur, 13. September, 0 Uhr 05, UKW 89,6 MHz).

Wenn Brandenburgs Linkspolitiker heute reihenweise ihre Stasi-Vergangenheit beichten, ist oft vom Wachregiment „Feliks Dzierzynski“ die Rede. Eine militärische Filiale des DDR-Geheimdienstes, für die junge Männer rekrutiert wurden, von denen man sich später einen Einsatz als IM oder eine Karriere in besonders linientreuen Berufen versprach. Christian Blees Feature „Wir sind eine feste Bastion“ erzählt vom Alltag dieser ominösen Elitetruppe. Zeitzeugen berichten von orwellschen Zuständen in den Regimentskasernen. Privates Radiohören war verboten, dafür gab es ein eigenes Rundfunkstudio, das für akustische Linientreue sorgte. Autor Blees hat die alten Bänder des Stasifunks ausgegraben und in sein Feature einmontiert (Deutschlandradio Kultur, 15. September, 0 Uhr 05).

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