Medien : Im Radio: Berliner-Mauer-Tage

Vor genau vierzig Jahren wurde das kleine Land mit Stacheldraht umwickelt. Damit es nicht auseinanderfällt. Ging es damals um den Traum von einer besseren, weil sozialistischen Welt? Oder doch nur um die Macht einiger Schustersöhne, die weiterhin Staatspräsidenten bleiben wollten? Die deutsch-deutsche Mauer ist lange gefallen, aber zum Jubiläum wirft sie noch einmal breite Schatten auf das Kulturradio. In den kommenden Tagen und Wochen leisten alle Kanäle Erinnerungsarbeit. Was die Mauer bedeutet hat - für die Weltgeschichte und das Leben Einzelner - ist Gegenstand zahlreicher Feature und Hörspiele.

Ganz intim sind die Auskünfte zum Thema im Feature "MauerWeg" von Annett Gröschner und Florian Felix Weyh. Er ist das Kind einstiger DDR-Flüchtlinge, sie hat ihre Jugend als Eingemauerte verbracht. Zwei mittlerweile bekannt gewordene Schriftsteller, die nun gemeinsam in Berlin über den Mauerstreifen spazieren und des monströsen Bauwerks gedenken. Wie es ihre Biografien prägte. Wie sie die Nacht seines Untergangs erlebt haben. Wie man heute darüber denken sollte (Deutschlandradio, 7. August, 0 Uhr 05, UKW 89,6 MHz).

Der Düsseldorfer Immobilienkaufmann Strehlow in Klaus Schlesingers Hörspiel "Trug" erlebt die Mauer als kafkaeske Falle. Eigentlich will Strehlow an einem Apriltag Mitte der 80er nur ein illegales Grundstücksgeschäft in Westberlin abwickeln. Aber dann verirrt er sich zuerst im Osten der Stadt und später in den Untiefen seiner eigenen Biografie. Als ihm auch noch der Reisepass abhanden kommt, wird die Mauer zur Schicksalslinie. "Trug" ist ein exzellent inszeniertes deutsch-deutsches Märchen. Eine Travestie romantischer Doppelgängergeschichten. Und eine sehr sinnliche Erinnerung an die Existenz der Berliner Mauer: als Grenzlinie zwischen zwei Erfahrungswelten, zwei Zeitzonen, zwei gesellschaftlichen Aggregatzuständen (Deutschlandfunk, 4. August, 20 Uhr 05, UKW 97,7 MHz).

Autor Henry Bernard hat zwei Männer daheim besucht, die in den Tagen der Mauer erbittert gegeneinander kämpften. Gerhard Löwenthal, der via ZDF gegen die Mauer schäumte, und Karl-Eduard von Schnitzler, der sich im Staatsfernsehen des Ostens über ihre Nützlichkeit ereiferte. "Kalte Krieger außer Dienst" heißt das Feature. Ja, die beiden leben noch, und sie sind kein bisschen altersweise geworden. Beide haben einst die Rolle massenmedialer Hassprediger auf sich genommen. Heute wirken sie ein bisschen komisch. Nur ein ganz kleines bisschen (SWR 2, 8. August, 21 Uhr, Kabel UKW 107,85 MHz).

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