IM RADIO : Besinnlichkeit für Audiophile

Tom Peuckert verrät, was Sie nicht verpassen sollten.

Tom Peuckert

Wenn am Weihnachtstag der Stress allmählich nachlässt, ist ein Hörspiel vielleicht das beste Mittel, um sich in die nun geforderte Besinnlichkeit einzuüben. Für kindliche Gemüter aller Altersklassen gibt es kurz vor Einbruch der Dämmerung und noch vor der Bescherung das schöne Hörspiel „Das wunderbare Abenteuer der Florinde vom Hohenfels“. Susanne Friedmann und George K. Berres erzählen vom Teenager Florinde, der ein echtes Burgfräulein werden soll. Das heißt alle Tage Latein und Französisch lernen, dazu Unterricht im Dichten, Tanzen und die Fidel spielen. Da ist es Florinde gar nicht so unrecht, wenn nun ein Abenteuer dazwischenkommt. Der Burgbrunnen ist vergiftet, laut einer alten Sage kann nur das magische Eichhorn die Quelle wieder genießbar machen. Florinde bricht in den Zauberwald auf, um so ein scheues Fabelwesen zu fangen (Kulturradio vom RBB, 24. Dezember, 14 Uhr 04, UKW 92,4 MHz).

Wenn Erwachsene zur selben Stunde lieber eine erwachsene Geschichte hören mögen, sei ihnen das Hörspiel „Die Schlafwandler“ nach Hermann Brochs Romantrilogie empfohlen. Anfang der dreißiger Jahre versuchte Broch den europäischen Aufbruch in die Moderne in einem großen literarischen Panorama zu fassen. Aus der vielteiligen Radioadaption des Romans, die Klaus Buhlert erstellt hat, gibt es zu Weihnachten die Kapitel um den Kriegsgewinnler und Betrüger Huguenau zu hören. Ein lebenspraller Fiesling, der dank Hermann Brochs Gestaltungskunst zu einer repräsentativen Epochenfigur wird (Deutschlandfunk, 24. Dezember, 14 Uhr 05, UKW 97,7 MHz; Teil 2 und 3 am 25./26. Dezember, 14 Uhr 05).

Die Ballade ist eine Gedichtform, in der meist ziemlich viel passiert. Es wird geliebt, gelitten, gemordet oder heftig gelacht. Goethe sah in jeder gelungenen Ballade die poetische Ureinheit von Drama, Lyrik und Musik noch einmal verwirklicht. An schönen deutschen Balladen darf sich das Radiopublikum erfrischen, wenn Schauspielerin Winnie Böwe das Schatzkästlein unserer Balladendichtung öffnet. Von Goethe über Uhland bis Peter Hacks ist für jeden Geschmack etwas dabei. Affären, Mord und Totschlag, plötzliche Schicksalswendungen. In „Des Sängers Fluch“ wird gebänkelt, gegruselt und geliebt, dass die Lautsprecher beben (Kulturradio vom RBB, 25. Dezember, 14 Uhr 04)

Man kann die Lebensträume der Emma Bovary auf den Konsum schlechter Romane zurückführen. Man kann ihre Sehnsucht auch als Urbild des modernen weiblichen Emanzipationsdranges deuten. Im Radio hat das Publikum nun erneut die Wahl. Der wunderbare Roman „Madame Bovary“ von Gustave Flaubert in einer dreiteiligen Hörspielfassung. Die Geschichte einer leidenschaftlichen Landarztgattin, von ihren bittersüßen Anfängen bis zum bitteren Ende. Obwohl der gute Charles Bovary alles für seine Frau zu tun bereit ist, hohe Verschuldung inbegriffen, kann er deren Gier nach großen Gefühlen nicht befriedigen. Emma verfällt Leon und die bürgerliche Lebenskulisse bricht mit lautem Krachen zusammen (Deutschlandradio Kultur, 25. Dezember, 18 Uhr 30; weitere Folgen am 26./ 27. Dezember, 18 Uhr 30)

Rüdiger Safranski hat schöne Biografien über Schopenhauer, Nietzsche, Heidegger und Schiller geschrieben. Das waren blutvolle Lebensgeschichten vor weitem kulturhistorischen Horizont, die Belehrung und Unterhaltung geschickt miteinander verbanden. Nun hat sich Safranski der Freundschaft zwischen Goethe und Schiller zugewandt. Gut zehn Jahre lang haben die beiden Großmeister zusammen gedacht und gearbeitet und dabei allerhand Welträtsel aus Kunst, Wissenschaft und Geschichte zu lösen versucht. Man darf gespannt sein, wie Safranski den enormen Stoff interpretiert und zur Anschaulichkeit bringt. In der Reihe „Studio LCB“ – nach dem Literarischen Colloquium Berlin – liest er aus seinem neuen Buch „Goethe und Schiller“ vor und diskutiert mit Kollegen über Funde und Entdeckungen (Deutschlandfunk, 26. Dezember, 20 Uhr 05).

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