Im RADIO : Bilder, Bauern, Bubenstücke

Tom Peuckert verrät, was Sie nicht verpassen sollten.

Tom Peuckert

Im Jahr 1955 plant die Stasi eine Entführung. Lisa Stein, Mitarbeiterin des Rias, soll in die DDR verschleppt und dort vor Gericht gestellt werden. Das Greifkommando bezieht Stellung vor einem Café am Hohenzollerndamm, in dem die Journalistin sitzt. Wie das Verbrechen dann auf groteske Weise scheitert, erzählt Marianne Weil in ihrem dokumentarischen Hörspiel „Der Hund war nicht geplant“. Ein Bubenstück aus der Zeit des Kalten Krieges, das für Frau Stein gut und für die Stasi böse ausgeht (Deutschlandradio Kultur, 3. September, 21 Uhr 33, UKW 89,6 MHz).

Hanns Eisler wollte mit seiner Musik für eine bessere Welt kämpfen. Aber die schönsten Kompositionen des Schönberg-Schülers sind doch Elegien geworden. Vielleicht, weil der bekennende Marxist seine besten Jahre als Filmmusiker im kalifornischen Exil verbringen musste und später unter Stalins Kulturpolitik litt. Heiner Goebbels hat zum Fall Eisler eine Collage aus Tondokumenten und eigenen, von Eisler inspirierten Kompositionen gemacht. „Eislermaterial“ heißt das Hörspiel (SWR 2, 5. September, 22 Uhr 03, Kabel UKW 107,85 MHz).

Der Maler Ernst Ludwig Kirchner hat faszinierende Bilder geschaffen, die unsere sinnliche Erfahrung auf den Kopf stellen. Aber Kirchner war auch sein Leben lang krank und drogensüchtig. Er flüchtete vor der Welt in ein einsames Alpendorf, mit 58 Jahren erschoss er sich. Elke Heinemanns Hörspiel „Ernst Ludwig Kirchner: Inside/Out“ zeichnet die Künstlertragödie mit einer akustischen Landschaft aus Zitaten und O-Tönen nach. In Kirchners Lebensdiskurs mischen sich die Stimmen uralter Schweizer Bauern, die den Maler als Kinder noch erlebt haben, und jener Sammler und Forscher, die heute über ihn nachdenken (Deutschlandfunk, 6. September, 20 Uhr 05, UKW 97,7 MHz).

Der amüsante Radiokrimi „Literatur Letal“ von Carla Spies und Thomas Doktor kombiniert schöne Literatur und schnödes Verbrechen. Im illustren Leseort Klagenfurt liegt ein deutscher Großverleger mausetot am See. Die überforderte Polizei tippt auf Selbstmord, aber der zufällig anwesende Detektiv Viktor Berger hat ganz andere Vermutungen. Eigentlich ermittelt Berger nur im Musikbusiness, nennt sich selbst einen „Pop-Detektiv“. Doch der Verleger hinterlässt eine sehr attraktive Witwe, die Berger zu Recherchen im Literaturbetrieb animieren kann. Allerdings mit allerhand unerfreulichen Ergebnissen für die Auftraggeberin (Deutschlandradio Kultur, 8. September, 21 Uhr 33).

An schönen deutschen Balladen darf sich das Radiopublikum in der kommenden Woche erfrischen. Immer am frühen Nachmittag öffnet die Schauspielerin Winnie Böwe das Schatzkästlein der einheimischen Balladendichtung. Von Goethe über Uhland bis Peter Hacks ist für jeden Geschmack etwas dabei. Es wird gebänkelt, gegruselt und geliebt, dass die Lautsprecher beben (Kulturradio vom RBB, 8. bis 12. September, jeweils 14 Uhr 10, UKW 92,4 MHz).

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