Im RADIO : Böse Affekte, heilsame Natur

Die Hörfunk-Woche im Blick von Tom Peuckert.

Jahrzehntelang hat die „Frankfurter Schule“ um Adorno und Habermas die Intellektuellenzirkel der Bundesrepublik dominiert. Intelligenz war im Grunde nur als linke kritische Intelligenz denkbar. Doch spätestens seit 1989 sinkt der Stern der Frankfurter Sozialphilosophen. Angelika Brauers Radioessay „Kritik und Eigensinn“ fragt nach den Gründen für diesen Bedeutungsverlust, aber auch nach den Möglichkeiten der Renaissance für eine Theorie, die sich als Beitrag zur moralischen Perfektionierung der Welt versteht (Kulturradio vom RBB, 3. Mai, 22 Uhr 04, UKW 92,4 MHz).

Schon die Antike war uneins über den menschlichen Zorn. Aristoteles pries ihn als Quelle der Tapferkeit, Seneca nannte ihn den bösesten aller Affekte. Wo kommt Zorn her, welche Rolle spielt er in Kultur und Geschichte? Unter dem Titel „Zügellos und unregierbar“ untersucht Autor Günter Rohleder eine Radionacht lang gemeinsam mit Experten den problematischen Affekt. Der politische Zorn steht im Mittelpunkt (Deutschlandradio Kultur, 5. Mai, ab 0 Uhr 05, UKW 89,6 MHz).

Auch Amerika hat seine Romantiker gehabt. Vor anderthalb Jahrhunderten starb der Dichter Henry David Thoreau, der die unzivilisierte Landschaft seiner Heimat besang und von der Rückkehr in einen heilsamen Naturzustand träumte. Nora Sobichs Feature „Henry David Thoreau: Wake up – Wach auf!“ porträtiert Thoreau als Erfinder des zivilen Ungehorsams. Keine Geringeren als Mahatma Gandhi und Martin Luther King haben sich auf den romantischen Revolutionär berufen (Kulturradio vom RBB, 5. Mai, 19 Uhr 04).

Vor 20 Jahren starb Marlene Dietrich, das Kind eines Berliner Polizeioffiziers, später die allerberühmteste Tochter der Stadt. Renate Beckmanns Feature „Marlenes Kleider“ widmet sich der Sammelleidenschaft der preußischen Diva. Alle ihre Kleider, Hüte, Hosen, Pelze, ihre Showkostüme und Filmgarderoben hat Marlene aufgehoben. Kleiderkunde, die zur Lebenserforschung wird (Kulturradio vom RBB, 6. Mai, 14 Uhr 04).

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