Im RADIO : Brustvergrößert in den Weltuntergang

Tom Peuckert verrät, was Sie nicht verpassen sollten

Tom Peuckert

Zwar ist die große Maschine gleich wieder kaputt gegangen, aber sie bleibt ja trotzdem ein erhabenes Bauwerk. Das größte technische Gerät, das die Menschheit jemals geschaffen hat. Ein 27 Kilometer langer Ringtunnel, hundert Meter unter der Erde. „Rendezvous mit dem Urknall“ nennt Autor Peter Kirsten sein Porträt des Teilchenbeschleunigers im Genfer Cern. Hier sollen bald Dinge geschehen, für die traditionell Gott zuständig ist: Weltenschöpfung und detaillierte Blicke in Vergangenheit und Zukunft. Kirstens Feature versammelt noch einmal alles Wissenswerte über die göttliche Maschine (Deutschlandradio Kultur, 16. Oktober, 19 Uhr 30, UKW 89,6 MHz).

Manchmal scheint unser friedlicher Alltag vollkommen normal. Dann wieder wirkt es wie ein Wunder, dass sich menschliche Roheit und Gewalt überhaupt irgendwie zähmen lassen. In ihrem Radioessay „Die dünne Decke der Zivilisation“ untersucht Autorin Mechthild Müser das Wechselspiel zwischen produktiven und destruktiven Tendenzen in der Gesellschaft. Gewalt gibt es reichlich auf Straßen und in Familien, eine stetig wachsende Flut von Gesetzen versucht sie einzudämmen. Müser erzählt vom Bösen, das in jedem Menschen steckt. Ob es sich zeigt, hängt wesentlich von den sozialen Umständen ab. Zum Beispiel vom sich verschärfenden Konkurrenzdruck einer globalisierten Ökonomie, der heute nach Meinung vieler Psychologen zur größten Bedrohung des Zivilisationsprozesses geworden ist (Kulturradio vom RBB, 16. Oktober, 22 Uhr 04, UKW 92,4 MHz).

Jedes Jahr gehen in Deutschland fast eine halbe Million Menschen zum Schönheitschirurgen. Weil sie an ihrem Spiegelbild leiden, weil die im Fernsehen schöner sind, weil endlich Schluss sein soll mit Einsamkeit und Entbehrung. Brustvergrößerung, Nasenkorrektur und Fettabsaugen sind laut Statistik die Renner im Geschäft mit der käuflichen Schönheit. Das Feature „Der Schnitt zum Glück“ von Katja Nellissen und Mirko Smiljanic erzählt von einer neuen Studie der Universität Basel. Hunderte Klienten der Schönheitschirurgie sind nach ihrer Zufriedenheit mit den Ergebnissen gefragt worden. Wie verändert sich das Leben nach einer plastischen Operation? Lohnt sich die physische und auch seelische Tortur am Ende wirklich? Ist das Glück nun ein häufigerer Gast im Leben der künstlich Verschönten? (Deutschlandfunk, 17. Oktober, 19 Uhr 15, UKW 97,7 MHz)

In Frankfurt hat das große Betriebsfest der Literaturbranche begonnen. Wer mit der Mode geht, interessiert sich in diesen Tagen für Bücher. Ein erfreuliches Nebenprodukt der Buchmesse ist die alljährliche „ARD-Radionacht der Bücher“. Vier Stunden lang geht es live um die Literatur im Allgemeinen und die Erzeugnisse des Gastlandes Türkei im Besonderen. Dichter und Denker aller Zungen drängen sich in Frankfurt vor den Mikrofonen, auch an Medienberühmtheiten fehlt es nicht, sogar Kabarettisten haben mittlerweile Zutritt (Kulturradio vom RBB, 17. Oktober, ab 20 Uhr 05).

Wer von uns Musikfreunden würde nicht gern mal in Richard Wagners Kopf stecken? Für einen Moment hören, wie dort die Leitmotive krachen. Erotik, Weltuntergang, Erlösung in es-Dur. Andererseits die vielen Feinde des Bayreuther Meisters, die auch ihren Platz im Hirn beanspruchen. Franzosen und Juden, Krämer und Kritiker. Das Hörspiel „Harlekin muss sterben“ von Hans Jürgen Fröhlich lädt ein in Wagners Kopf. Der innere Monolog eines sterbenden Musikgenies. Letzte Bilanzen, fiebrige Erinnerungen, noch einmal die volle Ladung Liebe und Hass. Wir schreiben den 13. Februar 1883. Die erhabene Stunde, heißt es später bei Nietzsche, da Richard Wagner in Venedig starb. Langsam, ganz langsam zerreißt es dem Komponisten das Herz. (Deutschlandfunk, 18. Oktober, 20 Uhr 05).

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