Im RADIO : Dandy, Soldat und Hochstapler

Interessante Features, Grotesken und die Hörspielfassung eines Klassikers von Jules Verne: Tom Peuckert verrät, was Sie nicht verpassen sollten

Tom Peuckert

Er war ein Dandy, nicht nur beim Dichten. Er schrieb zarte Kinderbücher und rüpelhafte Essays. Seine Lyrik zählt zum Besten, was die Deutschen hervorgebracht haben – das hat er selbst immer wieder betont. Es gab Theaterstücke aus seiner Feder, die waren bereits zur Uraufführung verboten, andere liefen zwanzig Jahre vor ausverkauftem Haus. Wäre Peter Hacks nicht schon seit fünf Jahren aus dieser problematischen Welt verschwunden, hätte er am Karfreitag seinen 80. Geburtstag feiern können. Bestimmt hätte er zum Jubiläum ein neues Buch herausgebracht, das sechzigste vielleicht, und mit losen Reden den einen oder anderen Gratulanten verärgert. In seinem schönen Feature „Die Sorgen und die Macht“ erzählt Autor Wolfgang Rindfleisch von Leben und Werk des genialen Exzentrikers aus Ostberlin (Kulturradio vom RBB, 19. März, 22 Uhr 04, UKW 92,4 MHz).

Der Schweizer Chemiker Albert Hofmann war auf der Suche nach einem Migränemittel, als er 1943 im Selbstversuch die enormen Wirkungen des Lysergsäurediäthylamids, kurz LSD, entdeckte. Autor Mathias Bröckers hat einen Radioessay über den heute 102jährigen Hofmann und seine Entdeckung geschrieben. „Auf dem Weg nach Eleusis“ umkreist das Wesen der Drogenerfahrung und erzählt von der langen Kulturgeschichte psychoaktiver Substanzen. Vom Gebrauch der Drogen in magischer Praxis und religiösem Kult. Und von der Bedeutung, die das LSD um 1968 plötzlich erhielt, als Millionen Psychonauten den Stoff schluckten, um in ein ganz neues Leben zu schweben (Kulturradio vom RBB, 20. März, 22 Uhr 04).

Zweiter Weltkrieg. Die Schwestern Elfriede und Hannelore haben sich in ihrem Kinderzimmer ein makabres Spiel ausgedacht. Sie fantasieren sich in ein Lazarett und spielen mit verstellten Stimmen sechs kriegsverletzte Soldaten. Das Zimmer verwandelt sich in einen männlichen Kosmos von Schmerz und Gewalt, Heimweh und Erotik. Als die Mädchen eines Nachts auch den eigenen Vater, der an der Front ist, in ihr kleines Spukkrankenhaus einliefern, kommen dunkle Geheimnisse ans Licht. „Mädchenzimmer mit Soldaten“ heißt das Hörspiel von Anna Pein, das Regisseur Oliver Sturm als akustisch überaus beeindruckende Groteske inszeniert hat. Ein böses Märchen über zwei altkluge Mädchen, die mit sublimer Fantasie Rache an der Welt nehmen (Kulturradio vom RBB, 21. März, 22 Uhr 04).

Bei Jules Verne haben wir gelernt, dass die wirklich großen Abenteuer nicht erst hinterm Mond beginnen. Auch tief im Leib der Erde warten fantastische Welten auf ihre Entdecker. Wer sich einst als Leser oder im Kino mit dem Hamburger Professor Lidenbrock und seinem Neffen Axel auf „Die Reise zum Mittelpunkt der Erde“ machte, wird auch die dreiteilige Hörspielfassung des berühmten Romans mit Spannung erwarten. Noch einmal steigen Lidenbrock, Axel und der isländische Jäger Hans in den Krater des Vulkans Snäfields Yokul (SWR 2, Teil 1 am 23. März, 15 Uhr 05, Kabel UKW 107,85 MHz).

Von allen Verbrechern ist uns der Hochstapler am liebsten. Weil er so schöne Rollen spielt und so selbstbewusst aufzutreten versteht. Weil er sich in der Regel nur dort etwas nimmt, wo reichlich vorhanden ist. Man denke nur an den charmanten Felix Krull oder an jenen listigen Amerikaner Frank Abagnale, der in den 60ern als falscher Arzt/Pilot/Rechtsanwalt über die halbe Welt gejagt wurde und trotzdem immer jemanden fand, der ihm für falsche Schecks echtes Geld herausgab. „Die Welt will betrogen sein“ heißt ein amüsantes Feature von Burgel Langner, das der Figur des Hochstaplers gewidmet ist. Geschichten über kriminelle Fassadenkünstler, die uns faszinieren und beunruhigen (Deutschlandfunk, 23. März, 20 Uhr 05, UKW 97,7 MHz).

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