IM RADIO : Der Geist der Holunderblüte

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Der neue Radio-Tatort aus Baden-Württemberg beginnt im Gefängnis von Stammheim. Drei Häftlinge sind ausgebrochen, Hauptkommissarin Brändle und Kriminalrat Finkbeiner vom LKA beteiligen sich als Profiler an der Verfolgung, als Finkbeiner in einem Supermarkt als Geisel genommen wird. Als klar wird, dass Geiselnehmer und Entlaufene identisch sind, wird im Krimi „Finkbeiners Geburtstag“ von Hugo Rendler nun unter Lebensgefahr ermittelt (SWR 2, 11. März, 22 Uhr 03, Kabel UKW 107,85 MHz; Wiederholung im Kulturradio vom RBB, 15. März, 22 Uhr 04, UKW 92,4 MHz).

Am Samstagabend ziehen wir uns was Schönes an und gehen in die Met. Dafür muss man nicht zum Jetset gehören. Einfach nur das Radio einschalten. Live aus New York wird die erste Oper „Die Nase“ von Dmitriy Schostakowitsch übertragen. Ein frühes Meisterwerk nach Gogols berühmter Groteske, in der sich eine Nase selbständig macht und ihren bisherigen Besitzer in Angst und Schrecken versetzt. Eine Satire auf die ewige russische Bürokratie (Deutschlandradio Kultur, 13. März, 19 Uhr 00, UKW 89,6 MHz).

Was tun, wenn man ein Buch geschrieben hat, aber kein Verlag sich dafür interessiert. Dank Internethandel und billiger Drucktechnologie kann heute jedermann sein Werk in professioneller Aufmachung für potenzielle Leser herstellen lassen. Book on demand heißt das Zauberwort. Das Buch existiert auf einem digitalen Speichermedium, sobald sich Käufer finden, wird die benötigte Menge gedruckt. In seinem Feature „Ich schreibe, also bin ich“ erzählt Christian Blees von rapiden Wachstumsraten in der Branche (Deutschlandfunk, 14. März, 20 Uhr 05, UKW 97,7 MHz).

In seinen großen Romanen hat der amerikanische Schriftsteller Don DeLillo die kapitalistische Moderne tiefgründig seziert. Eben ist DeLillos 15. Roman „Der Omega-Punkt“ erschienen, eine reduktionistische Studie über einen Gelehrten, der im Auftrag der Regierung über Kriege nachdenkt, bis er eines Tages merkt, dass der Krieg mitten in seiner Seele angekommen ist. Für sein Feature „Im Kontrapunkt“ hat Thomas David den 1936 geborenen DeLillo in New York besucht und zu seinem Werk befragt (Deutschlandradio Kultur, 16. März, 19 Uhr 30).

Von Arno Schmidt wissen wir, dass er zu Sarkasmus und grimmiger Ironie neigte. Den Menschen hielt Schmidt für eine durchaus kuriose Gestalt, seinen vielbeschworenen Geist hat er einmal mit Holunderblüten verglichen. Das sind diese winzigen Gebilde, die ein paar Frühlingstage lang hübsch anzusehen sind und dann rasch vom Winde verweht werden. „Holunderblüte“ heißt denn auch der Monolog von Jan Philipp Reemtsma, in dem ein Alter ego des großen Schriftstellers zum Reden gebracht wird. Eine ebenso geistreiche wie komische Kompilation aus Schmidtschen Texten, vom Schauspieler Edgar Selge eindrucksvoll zu Gehör gebracht (Deutschlandfunk, 16. März, 20 Uhr 10).

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