Im RADIO : Der Stärkste der Starken

Tom Peuckert sagt, was Sie im Radio nicht verpassen dürfen.

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Wenn in Mitteleuropa der Winter beginnt, scheint in Florida weiter die Sonne. Der weiße Sand von Miami Beach leuchtet unverdrossen unter blauem Himmel, Palmen wiegen sich im Meereswind. Guido Meyers Lange Radionacht „Das Tor zur Karibik“ inspiziert einen deutschen Sehnsuchtsort, der hierzulande vor allem durch sonnige Fernsehserien berühmt geworden ist. Florida, Miami, Miami Beach sind Synonyme für das süße Leben auf Amerikanisch. Aber natürlich gibt es auch weniger strahlende Geschichten. Eine Nacht lang erzählen Einheimische und Miami-Deutsche über Licht und Schatten im Paradies (Deutschlandradio Kultur, 1. März, ab 0 Uhr 05, UKW 89,6 MHz).

Gleich mit ihrer ersten Story hatte die Schriftstellerin Ingrid Noll durchschlagenden Erfolg. Eine Durchschnittsfrau in den mittleren Jahren sehnt sich nach Liebe und dauerhafter Bindung. Weil die Welt ihr das verweigert, wird sie zur Mörderin. Sie rächt sich an treulosen Männern und herzlosen Konkurrentinnen, sie beginnt als Naive, vom Zufall begünstigt, und wird zur kühl kalkulierenden Könnerin. Nolls Roman „Der Hahn ist tot“ inszeniert im Medium der gehobenen Unterhaltungsliteratur eine Rachefantasie, die weiten Teilen des Lesepublikums nicht unbekannt sein dürfte. Das amüsante Werk gibt es nun auch in einer schönen Adaption als Hörspiel (Deutschlandradio Kultur, 3. März, 21 Uhr 33).

Eine Familie will gemeinsam Weihnachten feiern. Alle kommen mit freudiger Erwartung und besten Absichten, aber das hohe Fest hat seine eigene Dynamik. Aus Intimität wird Enge, aus Wärme Überhitzung, aus Erwartung Druck. Paul Plampers Hörspiel „Stille Nacht“ zeigt mit sublimem Witz, überzeugender Psychologie und nicht ohne Sympathie für die Nöte seiner Figuren ein archetypisches Ritual des Scheiterns. Das wichtigste aller deutschen Familienfeste, hier ebenso wohlvertraut wie überraschend. Eine Weihnachtsgeschichte der besonderen Art (Deutschlandfunk, 4. März, 20 Uhr 10, UKW 97,7 MHz).

Noch vor wenigen Jahrzehnten kannte jedes Kind seinen Namen. Milo Barus war der stärkste Mann der Welt, ein Mythos, ein Wunder. Er hob Straßenbahnen empor und rang Stiere nieder, stemmte ein Podium voller Orchestermusiker in die Lüfte. Martin Beckers und Tabea Soergels Feature „Milo Barus – der Stärkste der Starken“ erzählt von einem Entertainer der besonderen Art. Barus, geboren 1906 im Sudetenland und gestorben 1977 in Bayern, demonstrierte auf den Bühnen der Welt eine schier unmenschliche Muskelkraft. Das Feature rekonstruiert seine Lebensgeschichte und fragt, ob der Kraftkünstler heute eigentlich Nachfolger hat (Kulturradio vom RBB, 5. März, 22 Uhr 04, UKW 92,4 MHz).

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