Im Radio : Der vergängliche Glanz der Macht

Tom Peuckert verrät, was Sie nicht verpassen sollten.

Tom Peuckert

Die Krankheit „Morbus Huntington“ gilt heute als Paradebeispiel für die Erfolge der genetischen Aufklärung. Vor anderthalb Jahrzehnten wurde das krankmachende „Huntington-Gen“ entdeckt, die Gefahr der Vererbung liegt bei 50 Prozent. Mittlerweile gibt es einen Test, der Trägern des Gens voraussagt, ob sie eines Tages tatsächlich erkranken werden. In ihrem preisgekrönten Feature „Tödliches Erbe“ spricht Autorin Karla Krause mit zwei jungen Frauen, die als „Risikopersonen“ gelten. Wie plant man ein Leben, von dem man weiß, dass es höchstwahrscheinlich böse enden wird? Was wird aus Liebe und Kinderwunsch, aus Ausbildungszielen und Karrierestrategien? Mit anderen Worten: Ist die genetische Aufklärung ein Segen oder vielleicht doch eher ein Fluch? (Deutschlandradio Kultur, 13. September, 18 Uhr 05, UKW 89,6 MHz)

Wer auch am Sonntag klüger werden möchte, sollte die schöne Reihe „Aula“ beim Südwestrundfunk nicht verpassen. Dort referieren Wissenschaftler über Themen, die mit breitem Publikumsinteresse rechnen können. Eine Art populäre Sonntagsvorlesung, die man morgens bei Kaffee und Croissants genießt. Diese Woche untersucht der Berliner Medienwissenschaftler Matthias Eckoldt die abgründige Macht der Massenmedien. Ohne Massenmedien, so Eckoldt, der gerade ein Buch zum Thema publiziert hat, bräche unsere Gesellschaft in viele Gruppen auseinander, die einander nichts mehr zu sagen hätten. Der Diskurs der Sendestationen und Zeitungen ist ebenso breit wie flach, aber vor allem ist er unhintergehbar. Er bestimmt unsere Grundannahmen über die Wirklichkeit und formatiert die Möglichkeiten, darüber zu reden. „Man wird das, was man sieht“ hat Eckoldt seine Sonntagslektion betitelt (SWR 2, 14. September, 8 Uhr 30, Kabel UKW 107,85 MHz).

Die westeuropäische Duchschnittsfrau, so haben gewitzte Soziologen herausgefunden, steht täglich knapp zehn Minuten vor dem Spiegel. Russinnen brauchen doppelt so lange, auch geben sie ein Vielfaches für Kosmetikartikel aus. Japanerinnen schminken sich gern zeremoniell im Boudoir, Amerikanerinnen oft hastig im Wagen. In ihrem Feature „Make up, make down“ erzählt Maike Albath diese und andere Geschichten über das Schminken. Eine uralte Kulturtechnik, ein weiblicher Trick, der eine lange bewegte Geschichte hat. Schminkmoden verraten viel über aktuelle Ideale von Weiblichkeit, aber hinter allem Wandel, so die Autorin, bleibt als Konstante das weibliche Vergnügen an Selbstinszenierung und Maskerade (Deutschlandfunk, 14. September, 20 Uhr 05, UKW 97,7 MHz).

Ein dramatisches Phänomen im politischen Betrieb ist der Rücktritt, ganz aktuell in Szene gesetzt von Deutschlands Sozialdemokratie beim Wechsel von Kurt Beck zu Franz Müntefering. Ein Mensch, der sich eben noch im Glanz seiner Macht sonnte, muss von der Bühne abtreten. Selten geschieht das freiwillig, meist wird in der Kulisse mit Dolchen gefingert. Die Autorinnen Helgard und Heike Haug haben ein Feature über Rücktrittsdramaturgien in der Politik gemacht. Der wie bestellt daherkommende Radiobeitrag „miles and more“ beschäftigt sich mit Mustern und Ritualen, die beim Abgang eines Großpolitikers immer wieder zu entdecken sind: Bürokratische Pannen, die im Medienfeuer zu Skandalen aufgekocht werden. Öffentlicher Rachedurst und stets im Hintergrund lauernde Brutus-Figuren (Deutschlandradio Kultur, 15. September, 0 Uhr 05, UKW 89,6 MHz).

Diesen Sommer auch auf Rügen gewesen? Man fährt jetzt bequem über eine neue Superbrücke auf die Insel. Natürlich wird der Touristenstrom dadurch weiter wachsen. Was leider nicht wächst, ist die schöne Insel. „Stau im Paradies“ hat Martin Reischke deshalb seine Reisereportage genannt. Der Rügen-Urlauber sucht unberührte Natur und findet erst einmal verstopfte Straßen. Vorm Fenster seiner kleinen, romantischen Pension wird gerade ein neues Wellness-Ressort gebaut. Gibt es auf Rügen eine Schmerzgrenze des touristischen Wachstums? Und wer entscheidet darüber? Reischke spricht mit Tourismusunternehmern und mit den Kritikern einer zügellosen Expansion. Ist die Vertreibung aus dem Paradies auch auf Rügen unaufhaltsam? (Deutschlandradio Kultur, 16. September, 13 Uhr 07, UKW 89,6 MHz)

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben