Im RADIO : Die Erotik der Regierung Sarkozy

Features über Nicolas Sarkozy, Samuel Beckett und Edgar Allan Poe: Tom Peuckert verrät, was Sie nicht verpassen sollten.

Tom Peuckert

Im Jahr 1936 kommt ein junger Ire namens Samuel Beckett nach Berlin. Ein Künstler, der später durch seinen einzigartigen Blick auf Menschen und soziale Verhältnisse weltberühmt wird. In der Reichshauptstadt schwingt man Fackeln, isst am Sonntag gemeinsam Eintopf, im Radio spricht Goebbels. Beckett beobachtet und schreibt Tagebuch. Wie er die Nazis und ihr Volk wahrnimmt, davon erzählt Carola Veit in ihrem Feature „Lustschutz“. Berlin wird für Beckett zum Auslöser einer künstlerischen Wende. Der Sarkasmus des kommenden Nobelpreisträgers verdankt sich auch den deutschen Lektionen (Kulturradio vom RBB, 15. Januar, 19 Uhr 04).

In den alten Märchen war der Sandmann kein freundlicher Einschlafhelfer, sondern ein Monster, das ungehorsamen Kindern die Augen ausriss. In der berühmten Erzählung „Der Sandmann“ von E.T.A. Hoffmann geht es denn auch um sehr unangenehme Kindheitserinnerungen. Der Student Nathanael glaubt im Wetterglashändler Coppola eine Schreckensgestalt seiner frühen Jahre wiederzuerkennen. Den Mörder seines Vaters, der damals stets zur Schlafenszeit im Haus der Eltern erschien. Doch niemand versteht den traumatisierten Studenten. Außer die sanfte Olimpia, Tochter des Physikers Spalanzani. Mit der allerdings hat es eine eigene Bewandtnis (Deutschlandfunk, 17. Januar, 0 Uhr 05, UKW 97,7 MHz).

Die französische Justizministerin, so melden die Medien, sei nur wenige Tage nach ihrer Entbindung wieder zum Dienst erschienen. Sie habe strahlend schön ausgesehen und elegante Kleidung getragen, von der Schwangerschaft sei nichts mehr zu merken gewesen. Eine Meldung, die viel erzählt über die atmos phärische Präsenz der Regierung Sarkozy. Erotische Wirkung scheint fundamental wichtig, die Macht zeigt sich am liebsten im großen Showformat. „Muskeln, Macht und Männlichkeit“ heißt denn auch das Feature von Ruth Jung über die Epoche Sarkozy. Als Innenminister galt Sarkozy als besonders bissiger Polizist, nun drängen sich andere Bilder in den Vordergrund (Kulturradio vom RBB, 17. Januar, 9 Uhr 05).

Vor 200 Jahren wurde Edgar Allan Poe geboren. Fast alle Figuren, die der Amerikaner geschaffen hat, erleben und tun ungeheuerliche Dinge. Sie werden lebendig begraben, sie foltern und töten, sie erleiden entsetzliche Angstgefühle. Sind es drogensüchtige Psychopathen oder doch Repräsentanten unserer eigenen Nacht seite? Dieser spannenden Frage geht Sven Ahnert in seinem Feature „Not exactly the boy next door“. Der Titel ist ein Zitat des Musikers Lou Reed. Immer wieder haben Poes hysterische und nekrophile Gestalten Künstler fasziniert und zu eigenen Schöpfungen angeregt (Deutschlandfunk, 18. Januar, 20 Uhr 05).

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