Medien : Im Radio: Die Sinnsuche

Hat unsere Kultur noch Sinn? Kommen der modernen Gesellschaft die Werte abhanden? Das sind die Fragen, mit denen das Kulturradio seine Hörer bei Laune hält. Tapfer schlagen die Redakteure Schneisen in den geistig-moralischen Dschungel unserer Welt. Im Deutschlandfunk startet nun eine dreiteilige Reihe, die den Sinngeheimnissen der Informationsgesellschaft nachspürt. Immer perfekter zirkuliert die Information im Datenkosmos, immer rascher veraltet das Wissen, immer haltloser werden Traditionen. Ergibt dieses Treiben noch Sinn? "Bits, bytes, bedeutungslos", heißt ein Essay von Martin Hubert zum Auftakt. Die polemische Pointe im Titel lässt ahnen, dass Sinn und Bedeutung heute eher beim Kulturradio als im Herzen der Computerwelt zu finden sind (DLF, 6. April, 20 Uhr 10, UKW 97,7 MHz).

Der Medienphilosoph Norbert Bolz hat schon vor Jahren allen notorischen Sinnsuchern eine Abfuhr erteilt. Sinn ist Privatsache, schrieb Bolz. Unsere Kultur gehorcht der Logik technischer Apparaturen und wirtschaftlicher Zwänge, sie ist blind und taub für den Sinnhunger ihrer Bewohner. Auch Werte sind nur Fiktionen in einer von Zufällen getriebenen Welt. Wer wagt es da noch, über Moral zu reden? Das Kulturradio! "Vom Werteschwund in der Informationsgesellschaft" ist ein Feature von Beate Rudigier untertitelt. Die Autorin diskutiert mit Denkern aller Sparten über die Moral der Zukunft. Welche Werte lassen sich noch begründen, lehren und leben? (SWR 2, 4. April, 21 Uhr, Kabel UKW 107,85 MHz).

Räsoniert nicht, tanzt, hat Rainald Goetz allen Wertpropheten ins Stammbuch geschrieben. Irgendwann in den achtziger Jahren fand Goetz seinen ganz persönlichen Sinn in der Technodisko. "Ästhetisches System" heißt ein Hörspiel, das er gemeinsam mit dem Musiker Stevie Be Zet realisiert hat. Luhmanns Systemtheorie trifft auf die emotionale Argumentationskraft von Techno. Alle Sinnfragen werden rhythmisch gelöst (Deutschlandradio, 2. April, 0 Uhr 05, UKW 89,6 MHz). Goetz ist heute einer der produktivsten deutschen Autoren. Kein Wunder, wenn er noch an anderer Stelle zum Gewährsmann wird.

"Im Netz", nennt Ursula März ihr Feature zur Geschichte einer speziellen Form der Tagebuchliteratur. Die Brüder Goncourt haben als erste das öffentliche Leben ihrer Zeit minutiös registriert. Andy Warhol tat es im New York der siebziger Jahre. Zuletzt hat Rainald Goetz mit "Abfall für alle" eine detailreiche Gesellschaftschronik vorgelegt. Ein faszinierendes Statement zur jüngsten Gegenwart (Deutschlandradio, 3. April, 19 Uhr 05).

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben