IM RADIO : Die Zukunft, die Aura und der Wald

Tom Peuckert verrät, was Sie nicht verpassen sollten

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In ihrer Neujahrsansprache versicherte die Bundeskanzlerin, so etwas wie die Finanzkrise werde sich in Deutschland nicht wiederholen. Woher weiß sie das? Hat sie den Zug der Vögel beobachtet oder doch eine Glaskugel zu Rate gezogen? „Was wissen wir über die Zukunft?“ heißt eine vierteilige Feature-Reihe von Hans-Jürgen Heinrichs, in der unser Vermögen, die Zukunft zu berechnen und zu planen, mit gebotener Nüchternheit untersucht wird. Der Autor hat Sozialwissenschaftler aller Disziplinen konsultiert, um etwas über Leistungen und Grenzen menschlicher Zukunftsschau zu erfahren. Was können wir wissen? Was dürfen wir hoffen? Ab wann wird jede Aussage über das Künftige zu bloßer Fantasie? (Deutschlandradio Kultur, 7./14./21./28. Januar, 19 Uhr 30, UKW 89,6 MHz;).

„Ich taste erst mal Ihre Aura ab“, sagt der Geistheiler zu seiner Patientin. Sie hat einen besonders bösartigen Blutkrebs, die Schulmedizin kann nichts mehr für sie tun. In letzter Not hat sie sich an einen Mann gewandt, der ihre Aura reparieren soll. Beate Lehners Feature „Ich sehe was, was du nicht siehst“ erzählt vom Gewerbe der spirituellen Heiler in Deutschland. Eine schrille, verwirrende, manchmal sogar auch groteske Szene. Der alte Glaube an Übersinnliches und paramedizinische Kräfte findet sich in vielen neuen Geschäftsmodellen verwertet. Die Autorin, die selber an rheumatischen Beschwerden leidet, lässt es hier auf einen Selbstversuch ankommen (Deutschlandfunk, 8. Januar, 20 Uhr 10, UKW 97,7 MHz).

Als medizinisches Ereignis war die Schweinegrippe bisher ein Sturm im Wasserglas. Es bleibt zu fragen, welche geistigen Auswirkungen sie für uns haben wird. Haben wir etwas gelernt über medial geschaffene Angstkollektive, die Macht der Pharmalobby und die strukturelle Ohnmacht der Politik? Wer hier noch Orientierungshilfen braucht, sei auf Michael Lisseks Feature „Von der Abwehr der Feindes“ verwiesen. Der Autor dokumentiert den sonderbaren Siegeszug des Medikamentes Tamiflu, mit dem sich in den letzten Jahren Regierungen weltweit bevorratet haben. Eine spannende Geschichte aus dem Herzen einer Kultur, die sich gern für wissenschaftlich hält, aber im Grunde jederzeit bereit ist, an gute wie böse Märchen zu glauben (Deutschlandradio Kultur, 9. Januar, 18 Uhr 05).

Ausgerechnet in Mecklenburg hatte die musikalische Moderne ihren Geburtsort. Dort lebte im 19. Jahrhundert ein Mann namens Albrecht Kasimir Bölckow. Ein heute völlig zu Unrecht vergessener Komponist, der als Erster die Emanzipation des einzelnen Tons propagierte und Alltagsgeräusche in seine Kompositionen einband. Das jedenfalls behauptet Horst Hussels wunderbar kauziges Hörspiel „Musik aus Gägelow“, basierend auf angeblichen Tagebüchern des Tonsetzers Bölckow. Darin pralle Details einer Kunstgeschichte zwischen Güstrow, Ludwigslust und Parchim. Die Intrigen des Schweriner Theaterintendanten von Flotow, Rivalität mit Bayreuth und der ewige Ärger wegen dieses dünnen Biers, das in Mecklenburg ausgeschenkt wird. Und dann sind da ja noch die Kompositionen von Albrecht Kasimir Bölckow. Wagner rückwärts, möchte man sagen, plus singende Kanarienvögel, gedengelte Sensen und andere emanzipierte Geräuschquellen (Deutschlandfunk, 9. Januar, 20 Uhr 05).

Autor Rainer Schildberger ist eine Woche lang im Wald gewesen. Abseits markierter Wanderwege und ganz ohne Begleitung. Auch die Nächte hat er ganz allein im Waldesdunkel verbracht. In seinem Feature „Der Wald steht schwarz und schweiget“ erzählt er von der Suche nach einem mythischen Erfahrungsraum. Der Wald ist in unseren Märchen und Liedern zwar eine Hauptfigur, aber kaum ein Zeitgenosse ist noch mit seiner ursprünglichen Energie vertraut. Forstindustrie, Tourismusbehörden und Straßenbauer haben aus dem deutschen Wald eine rational organisierte Kulturlandschaft gemacht. Doch Autor Schildberger sucht noch einmal den Weg zurück in dieses schwarze, schweigende Dickicht (Kulturradio vom Rundfunk Berlin-Brandenburg, 10. Januar, 14 Uhr 04, UKW 92,4 MHz).

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