Im RADIO : Eiskalt und düster

SEin Absturz im ewigen Eis, ein amerikanisches Soldaten-Camp und ein Kleinwagen auf der Kurfürstenstraße: Was Sie im Radio nicht verpassen sollten.

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Vor fast 90 Jahren fängt ein russischer Radiobastler den Notruf eines italienischen Luftschiffes auf. Der berühmte Polarforscher Umberto Nobile ist bei Spitzbergen ins ewige Eis gestürzt. Weil der Russe aus dem Kurzwellenrauschen die wichtigsten Informationen herausfiltert, wird Nobile gerettet, in einer dramatischen Aktion, an der die Welt via Massenmedien Anteil nimmt. Kurz nach den Ereignissen schreibt Friedrich Wolf sein Hörspiel „SOS … Rao rao … Foyn – ‚Krassin‘ rettet ‚Italia‘ “, das ein früher Publikumserfolg der Hörspielgeschichte wird. Im Kulturradio ist das ehrwürdige Stück nun noch einmal zu hören (Kulturradio vom RBB, 26. September, 22 Uhr 04, UKW 92,4 MHz).

Jede Armee der Welt steht vor ähnlichen Problemen, wenn sie Krieg führen will. Sie muss aus jungen Männern mit unterschiedlichsten Mentalitäten kampfbereite Soldaten machen. Sie muss Tötungshemmungen beseitigen, die beim Menschen normal sind. Für ihr Feature „What makes them kill?“ hat Autorin Nora Bauer ein US-Truppencamp in Deutschland besucht. Wer nicht gut vorbereitet ist, schießt beim Kampfeinsatz lieber in die Luft als auf den Gegner, haben Militärpsychologen herausgefunden. Eben diese Psychologen versuchen nun, junge Rekruten mit wissenschaftlichen Tricks zu kriegskonformem Verhalten zu bewegen (Deutschlandradio Kultur, 27. September, 18 Uhr 05, UKW 89,6 MHz).

Wir haben uns halb tot gelacht, erinnert sich ein Zeitzeuge an die erste Nachricht vom Mauerbau. Dass man eine große Stadt in zwei komplett voneinander isolierte Hälften teilen will, hielten er und seine Freunde für einen Witz. Kai-Uwe Kohlschmidts Dokumentarhörspiel „Die Tunnelgräber“ führt zurück in die frühen Mauerjahre. Fast hundert Fluchttunnel wurden allein zwischen 1961 und 1964 in Berlin gegraben, zu jedem gibt es dramatische Geschichten. Einige mit Happy End, andere ohne. Das Hörspiel sammelt die Stimmen von Flüchtlingen, Fluchthelfern, Grenzschützern und anderen Zeitzeugen (Kulturradio vom RBB, 28. September, 14 Uhr 04).

Die Kurfürstenstraße gehört zu den eher düsteren Orten Berlins. Hier bieten sich Frauen feil, die wie halbe Kinder aussehen. Meist haben die Drogen böse Spuren in ihren Gesichtern hinterlassen. Autor Jens Jarisch erzählt vom Leben der nächtlichen Straße. Von Geschäften, die in Hinterhöfen abgewickelt werden. Von Frauen, die hier Geld für den nächsten Trip verdienen. Von Dealern, Kunden und Voyeuren. Jarischs preigekröntes Feature „Die K.“ beginnt in einem Kleinwagen, in dem eine Prostituierte ihrer Arbeit nachgeht. Es folgt eine Stadtführung der besonderen Art (Deutschlandradio Kultur, 1. Oktober, 0 Uhr 05).

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