Im RADIO : Erinnerungsblitze und „gute Hände“

Zehn Jahre Euro, eine böse Falle für Singvögel und James Joyces "Ulysses". Unser Radio-Experte gibt Tipps für die nächsten Tage.

Vor zehn Jahren wurde in Europa das Geld gewechselt. Zwölf Länder, 300 Millionen Menschen, die größte Umtauschaktion der Kontinentalgeschichte. In ihrem zweiteiligen Feature „Ein Mark-erschütternder Tag / Turbulenzen“ lässt Autorin Mechthild Müser das erste Euro-Jahrzehnt Revue passieren. Sie hat bereits 2002 die Umstellung dokumentiert und all die Prognosen, Hoffnungen, Befürchtungen gesammelt, die den Geldwechsel damals begleiteten. Was hat sich bewahrheitet, wo irrten die Schöpfer des Euro? Ist das neue Geld ein Erfolg mit kleineren Makeln oder doch der größte Risikofaktor der jüngeren Wirtschaftsgeschichte? (Kulturradio vom RBB, 4. Januar, 22 Uhr 04, UKW 92,4 MHz)

Ein Vogelherd ist eine Falle für Singvögel. Man brennt einem Vogel die Augen aus, so dass er nicht mehr zwischen Tag und Nacht unterscheiden kann. Sein Gesang wird nun besonders kräftig und lockt andere Vögel an. Dieser böse Trick, der einst bei den Jägern sehr beliebt war, hat den Dichter Thomas Kling zu einem faszinierenden Gedichtzyklus inspiriert. Das Hörspiel „Vogelherdrecherche“ von Ulrike Janssen spürt der Stimme des 2005 verstorbenen Dichters Kling nach, seiner Fähigkeit, an einem konkreten Phänomen die Gestalt der kulturellen Epoche aufscheinen zu lassen (SWR 2, 5. Januar, 22 Uhr 03, Kabel UKW 107,85 MHz).

Ein Mann möchte wegen Mordes verurteilt werden. Er behauptet, vor Jahrzehnten seinen Bruder umgebracht zu haben. Es gibt keine gerichtsfesten Beweise für diese Tat, nur seltsame Erinnerungsblitze und dunkle Schuldgefühle. Im Krimi „Flashback“ von Anja Herrenbrück versucht eine junge Staatsanwältin, die Wahrheit zu ermitteln. Sie ist Expertin für Gedächtnisprozesse und hat ein persönliches Interesse an der Aufklärung des Falls. Gemeinsam mit dem vermeintlichen Mörder gräbt sie sich durch den Tunnel der Erinnerung und stößt am Ende auf eine ganz ungeheuerliche Geschichte (Deutschlandradio Kultur, 9. Januar, 21 Uhr 33, UKW 89,6 MHz).

Ein Junitag in Dublin. Zwei Männer wandern auf beruflichen und privaten Wegen durch die Stadt. Was dabei in ihren Köpfen vor sich geht, erzählt James Joyces Roman „Ulysses“. Ein Klassiker der modernen Literatur, ein noch immer eindrucksvolles Dokument der Avantgarde. Nun hat das Radio sich des gewaltigen Stoffes bemächtigt. Fast zwanzig Stunden dauert die Hörspielfassung von Klaus Buhlert. Im Juni wird das alles am Stück gesendet, der erste Teil des Monsterwerks kann jetzt schon einmal vorab bewundert werden (Deutschlandfunk, 10. Januar, 20 Uhr 10, UKW 97,7 MHz).

Ich bin etwas schief ins Leben gebaut, schrieb der Dichter Ringelnatz über sich selbst. Vielleicht meinte er damit seine Linkshändigkeit. „Das schiefe Leben“ heißt ein Feature von Ursula Weck, das dieser Abweichung gewidmet ist. Früher war Linkshändigkeit ein kulturelles Tabu, Kinder wurden auf den Gebrauch der „guten Hand“ dressiert. Heute steht die Angelegenheit eher unter Genieverdacht. Die Liste berühmter Linkshänder ist lang: Leonardo, Beethoven, Chaplin, Heiner Müller. Das Feature sammelt Auskünfte notorischer Linkshänder (Deutschlandradio Kultur, 11. Januar, 0 Uhr 05).

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