Im RADIO : Es spukt!

Was Sie diese Woche im Hörfunk nicht verpassen sollten.

Tom Peuckert

Der Mann säuft, die Frau muss es ertragen. Das ist die Dramaturgie klassischer Trinkergeschichten. Aber manchmal trinkt die Frau eben auch mit oder säuft sogar ganz alleine. Eine Situation, die in der öffentlichen Wahrnehmung als besonders beschämend gilt. Frauen trinken in der Regel heimlich und schweigend, wie Gabriele Schmelz‘ Feature „Eine trinkende Frau ist wie ein Tier, das säuft“ erzählt. Geschichten von weiblicher Alkoholsucht, Berichte aus einer existenziellen Tabuzone (Deutschlandfunk, 30. November, 20 Uhr 10, UKW 97,7 MHz).

Eine Nacht lang geht es beim Südwestrundfunk um Burgen. Um Ritter und Knappen, Burgfräuleins und nicht zuletzt um Gespenster, die auf jeder anständigen Burg wohnen. „Burgen, Ritter, Spukgewitter“ heißt die Radionacht ausdrücklich für junges Publikum. Eine Einladung an Halbwüchsige, es sich über die normale Schlafengehenszeit hinaus vorm Radio gemütlich zu machen, eine Aufforderung an Eltern, in der Nacht sämtliche Augen zuzudrücken (SWR 2, 30. November, ab 20 Uhr 05, Kabel UKW 107,85 MHz)

Vor anderthalb Jahrhunderten wurden Stotterern große Fleischstücke aus der Zunge geschnitten, um die Muskelaktivität zu hemmen. Heutige Therapien verlaufen subtiler, aber ihren Erfolg kann niemand garantieren. Matthias Eckoldts Feature „Wenn’s im Kehlkopf klemmt“ stellt ein neues und vielversprechendes Angebot für Betroffene vor. Die „Kasseler Stottertherapie“ wurde entwickelt von einem Arzt, der mit der eigenen Methode seine hartnäckigen Sprachschwierigkeiten überwand. Das Feature begleitet eine Gruppe von Hilfesuchenden, die in Kassel das Sprechen neu lernen wollen (Kulturradio vom RBB, 1. Dezember, 9 Uhr 05, UKW 92,4 MHz).

Der Schriftsteller Peter Handke wird 70 Jahre alt und das Kulturradio feiert ihn auf allen Kanälen. Im Hörspiel „Gehen im Herzland“ schickt Handke ein literarisches Alter Ego auf einsame Wanderschaft von Kärnten nach Slowenien. Im slowenischen Karst, der Hochebene über dem Golf von Triest, hat Handke seine Kindheit verbracht, hier lebten die Vorfahren. Ein ideales Terrain für Handkes magischen Realismus, für die Beschwörung des Alltäglichen als sinnliches Wunder (Deutschlandfunk, 1. Dezember, 20 Uhr 10).

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