Im RADIO : Essen für alle, Liebe für zwei

Von Denkern des Atomzeitalters bis zum schnoddrigen Privatdetektiv: Was Sie diese Woche im Hörfunk nicht verpassen sollten.

Tom Peuckert

Ernst Bloch war ein Meister des philosophischen Erzählens. Ein gelehrter Storydealer, ein Dichter unter den Denkern. Wie er sich bei seinen freien Exkursen trotzdem von den Naturwissenschaften anregen ließ, darüber erzählt Konrad Lindners Radioessay „Denker des Atomzeitalters“. Von der Quantentheorie kam Bloch ziemlich direkt zu seinem wichtigsten Thema, der menschlichen Fähigkeit, auf eine bessere Zukunft zu hoffen und sich dafür zu engagieren. Nils Bohr hatte die Möglichkeit als Kategorie in die exakte Naturbeobachtung eingeführt, Bloch nahm es begeistert als Bestätigung seiner geschichtsphilosophischen Thesen (Kulturradio vom RBB, 23. April, 22 Uhr 04, UKW 92,4 MHz).

Die Melancholie hat immer ihre Liebhaber gefunden. Als aufgeklärte Wehmut über den unvermeidlichen Lauf der Welt, als wissende Trauer angesichts der vielen Dinge, die wir nicht ändern können. Patrick Batarilos Feature „Hüzün“ erzählt von einer regionalen Variante dieser traurigen Weisheit. Hüzün nennen die Türken ihr lustvoll gepflegtes melancholisches Weltverhältnis. Man sitzt bei Raki und Meze, hört schwermütige Arabesk-Musik. Hüzün treibt Tränen in die Augen, was am Bosporus durchaus als Lebensgenuss verstanden wird (Kulturradio vom RBB, 25. April, 9 Uhr 05).

Privatdetektiv Jähnicke sitzt zusammen mit einer befreundeten Ärztin im Zwei-Sterne-Restaurant. Es könnte ein angenehmer Abend sein, wäre da nicht dieser Mann am Nebentisch. Erst quält ihn Atemnot, dann stürzt er tot zu Boden. In Eva Lia Reineggers Krimi „Jähnicke schmeckt's“ ermittelt der schnoddrige Privatdetektiv, gespielt von Milan Peschel, im gastronomischen Milieu. Von den kulinarischen Gipfeln bis hinunter in die Regionen der Armenspeisung. Der Tote war Restaurantkritiker und bewegte sich beruflich eher in gehobenen Kreisen. Aber die heißeste Spur führt Jähnicke zu „Essen für alle“, einer karitativen Einrichtung (Deutschlandradio Kultur, 27. April, 21 Uhr 30, UKW 89,6 MHz).

Am Ende seines Lebens hat Anton Tschechow noch einmal die große Liebe gefunden. Wegen seiner Lungenkrankheit lebt der Dichter meist auf der Krim, die Angebetete ist Schauspielerin in Moskau. Sie schreiben einander Briefe. Schilderungen ihres Lebensalltags, Porträts der Zeitgenossen, Analysen der eigenen Gefühlswelt. „Mein liebstes Krokodil“ heißt Thomas Hürlimanns Hörspielcollage aus Texten von Tschechow und Olga Knipper. Zwei Künstlerexistenzen um die vorletzte Jahrhundertwende, eine Liebesgeschichte voller Sehnsucht und Esprit (Deutschlandfunk, 28. April, 20 Uhr 10, UKW 97,7 MHz).

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