Medien : Im Radio: Ewig leben

"Manche Leute wollen Unsterblichkeit durch ihre Werke erreichen", kalauert Woody Allen in einer seiner Komödien. "Ich möchte Unsterblichkeit einfach dadurch erreichen, dass ich nicht sterbe." Kann dem Mann geholfen werden? Vielleicht durch eine künftige Biogenetik? Wenn die Wissenschaft heute die biologischen Wurzeln des Alterns entdeckt, warum kann man diese Wurzeln eines Tages nicht einfach ausreißen? "Unsterblichkeit" ist ein Radioessay von Garleff Zacharias-Langhans betitelt, der sich diesbezüglich dem Stand der wissenschaftlichen Erkenntnis widmet.

Natürlich ist der Tod ein attraktiver Gegner für Naturforscher, auch wenn sie das ungern zugeben. Einst versprachen die Religionen, der Tod werde nicht das Ende aller Dinge sein. Ob Seelenwanderung, Paradiesgarten oder Wiedergeburt, immer sollte hinter dem dunklen Tor eine leuchtende Auferstehung warten. Uns aufgeklärte Atheisten dagegen bedroht der Tod als schwarzes Nichts. Als rückstandsloses Verschwinden der eigenen, lebenslang narzisstisch umsorgten Person. Zacharias-Langhans beschreibt das dreistufige Szenario eines biogenetischen Aufstandes gegen die Sterblichkeit. Zunächst die Verbesserung der Gesundheit der Lebenden durch Gentherapie, was eine längere irdische Anwesenheitsdauer nach sich zieht. In absehbarer Zeit dann die Schaffung grundsätzlich gesünderer Menschen. Auf der dritten Stufe wird der Mensch als genetisches Mängelwesen ersetzt durch einen Übermenschen mit perfektem Erbgut. Keine schwarze Prophetie, so der Autor über sein Szenario, sondern ein Angebot zur geistigen Orientierung (Radio Kultur, 13. Juni, 21 Uhr, UKW 92,4 MHz).

Der alte sterbliche Mensch behilft sich unterdessen mit Furchtlosigkeit. Über Extremformen menschlicher Todesverachtung erzählt das Feature von Barbara Mannitz: "Wenn ich still stehe, lauert der Tod in mir." Porträtiert werden zwei Bergsteiger, die sich auf die höchsten Gipfel der Welt gewagt haben. Die Dänin Lene Gammelgaard und der Österreicher Kurt Diemberger sind Intellektuelle, die ihren Weg auf lebensfeindliche Höhen faszinierend beschreiben und reflektieren können. Was treibt einen dazu, den letzten Anstieg zu riskieren, selbst wenn er an den Leichen guter Freunde vorbeiführt? "Man hat ja diesen starken Drang zum Gipfel", sagt Diemberger. "Man findet dieses starke Lebensgefühl, das man hat, wenn man in Gefahr ist." Der Höhenrausch als Trost für die Tapfersten unter den Sterblichen. Die anderen müssen auf die Zukunft der Biogenetik hoffen (Deutschlandradio, 13. Juni, 19 Uhr 05, UKW 89,6 MHz).

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben