Im RADIO : Exzessive Partys, echte Männer

Tom Peuckert verrät, was Sie nicht verpassen sollten.

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Was trieb die deutsche Jugend in den neunziger Jahren? Wie sah ihr Alltag aus, welche Ideen und Ideale kursierten? Meinhard Starks Feature „Spaß statt Zukunft“ blickt zurück. Erinnerungen an Punks und Skins, Raver, Hip-Hopper, Hooligans. Jugendarbeitslosigkeit war in den Neunzigern ein dominantes Thema, trotzdem sprachen die Medien von der „Spaßgeneration“. Eine Jugend, die auf den Arbeitsmärkten nicht gebraucht wurde, feierte wenigstens exzessiv Party. Die Zukunft war schwarz, die Gegenwart sollte bunt sein. Viele Zeugen, die in den Neunzigern jung gewesen sind, erinnern sich (Kulturradio vom RBB, 27. April, 22 Uhr 04, UKW 92,4 MHz).

Eigentlich kennen wir Johann Sebastian Bach als mustergültigen Charakter. Schaffensfroher Künstler, treusorgender Familienvater, verdienter Musikpädagoge. Aber nun lässt Autor Torsten Enders den Maestro unter Mordverdacht geraten. In Leipzig ist Stadtmusicus Reiche tot aufgefunden worden. Der Trompeter gehörte zu den Lieblingen des berühmten Thomaskantors, hat unter Bach große Soli gespielt. Doch zuletzt gab es Streit wegen mangelnder Leistungen. Gefährdete der schwächelnde Trompeter Bachs Karriere? Ging Bach für seinen künstlerischen Aufstieg tatsächlich über Leichen? Enders Krimi „Bachs Reiche“ verrät, ob wir unser Bild des großen Mannes korrigieren müssen (SWR 2, 28. April, 22 Uhr 03, Kabel UKW 107,85 MHz).

Leben und Denken sind zwei ganz verschiedene Dinge, das war Gottfried Benns Grundthese. Bei seinen Zeitgenossen diagnostizierte der Dichter einen wuchernden Intellekt und eine ebenso große Sehnsucht nach rauschhafter Bewusstlosigkeit. Benn war Nihilist, weder Rausch noch Vernunft konnten ihn überzeugen. Warum Benn, der vor genau 125 Jahren zur Welt kam, unter den Deutschen fremd und trotzdem berühmt gewesen ist, erzählt Sigrun Anselms Feature „Wer auf dem Tiger reitet, kann nicht herab“. Benn glaubte nicht an die Demokratie, war zuerst von den Nazis fasziniert, später von ihrer pöbelhaften Zerstörungswut abgestoßen. Den schmachvollen Untergang des „Dritten Reiches“ hat er präzise vorausgesagt. Im zerstörten Nachkriegsdeutschland fand Benns pessimistische Literatur dann größten Zuspruch (Kulturradio vom RBB, 1. Mai, 14 Uhr 05).

Nur etwa zehn Prozent aller Männer, so hat eine Studie herausgefunden, tanzen wirklich gerne. Bei den Frauen dagegen sind es mehr als 90 Prozent. Ein eklatantes Missverhältnis zwischen den Geschlechtern, mit traurigen Folgen für die Paarbildung. Beate Bergers Feature „Echte Männer tanzen nicht“ sucht nach Ursachen. Liegt es am männlichen Selbstbewusstsein, an körperlichem Unvermögen oder steckt die Tanzscheu womöglich noch tiefer in den männlichen Genen? Die Autorin fragt nach bei Tänzern und Nichttänzern, Tanzlehrern und Tanzhistorikern. Mit dem englischen Schriftsteller Nick Hornby hat sie einen bekennenden Tanzverweigerer gefunden, der seine Gründe plausibel darzustellen vermag (Deutschlandfunk, 1. Mai, 20 Uhr 05).

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