Medien : Im Radio: Flieg, Otto, flieg

Reden wir übers Fliegen. Über die Lust, sich in den Himmel zu schrauben, frei und schnell wie ein Vogel. Und über die Furcht, den Ausflug ins falsche Element mit einem tödlichen Absturz zu bezahlen. Reden wir über Otto Lilienthal, der beides erlebt und erlitten hat. Den berauschenden Vogelflug und die elend gebrochene Wirbelsäule. "Endlich bin ich dahin gelangt anzugeben, was den Vogel zum fliegenden Individuum macht", schreibt Lilienthal 1871 in einem Brief an seinen Bruder. Es folgen Konstruktionsskizzen und mathematische Berechnungen. Mit seinen abenteuerlichen Flügelapparaten startete Lilienthal von einem Berg im Havelland, nahe der Kleinstadt Rhinow. Hier ist er auch im August 1896 zerschellt. Die Autorin Renate Beckmann-Drommer hat Lilienthals Berg bestiegen, um etwas von der Magie früher Flugversuche zu erspüren. "Ein Traum von Leichtigkeit" heißt ihr Feature. 250 Meter weit ist der träumende Erfinder damals durchs Havelland geflogen: erste Versuche, das Mängelwesen Mensch ganz nach oben zu bringen (Radio Kultur, 29. Juli, 14 Uhr UKW 92,4 MHz).

Andererseits kennen wir eine Menge Leute, die sich auch heute noch nicht in diese Eisenvögel trauen. Ein Freund sagt, schade sei es nur wegen Amerika. Weil er als Aerophobiker dieses interessante Land nie zu sehen bekommt. Es sei denn, er kratze eines Tages doch noch Geld für die Schiffspassage zusammen. Eine horrende Summe, leider. Feature-Autor Dieter Mayer-Simeth hat es sich schon leisten können. Knapp sechs Tage ist er mit der Queen Elizabeth II. von Deutschland aus über den Atlantik gefahren. Eine Schiffsreise kostet dreißig Mal soviel wie ein Flug, dafür ist sie mindestens zwanzig Mal luxuriöser. "Der letzte Dampfer nach New York", so der Titel seines Features. Erzählt wird von der glamourösen Geschichte der Luxusdampfer, von gutbetuchten Passagieren und von den wirklichen Entfernungen zwischen Europa und Amerika (Deutschlandradio Berlin, 1. August, 19 Uhr 05, UKW 89,6 MHz).

Der große Alexander von Humboldt hat sich dagegen noch an die brüchigen Decksplanken winziger Segelschiffe klammern müssen. Trotzdem erreichte auch Humboldt Amerika. Vor 200 Jahren war er in Kuba, und hat dort Natur und Menschen studiert. "Der Humboldt-Effekt heißt ein Hörspiel von Daniel Velasco, das dem preußischen Entdecker gewidmet ist. Ein Stück Audio-Art: Hörbilder aus Havanna und Trinidad, untermalt mit Texten aus Humboldt Reisetagebüchern. Erinnerung an einen wahren Meister aller Wissenschaften (Deutschlandradio Berlin, 3. August, 0 Uhr 05).

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