IM RADIO : Frauen und Würgeschlangen

Tom Peuckert verrät, was Sie nicht verpassen sollten.

Tom Peuckert

Eine überaus energische Ehefrau ist die Hauptfigur in Claudia Pineiros amüsantem Krimi „Ganz die Deine“. Jeder Widerstand weckt die Löwin in dieser Ines, jede Niederlage scheint sie nur noch stärker zu machen. Zuerst war da ein Zettel mit einer Liebeserklärung, den Ines aus der Aktentasche ihres Mannes fischt. Später ein heimlich beobachteter Streit, den der Gatte mit einer fremden Frau hat. Die Frau überlebt den Streit nicht und Ines hilft, ihre Leiche zu verstecken. Nun erst recht soll das Familienleben vorm Zerbrechen bewahrt werden. Die Frau taumelt von einer Katastrophe in die nächste, aber nichts kann ihren Überlebenswillen außer Gefecht setzen (Deutschlandradio Kultur, 31. Dezember, 19 Uhr 05, UKW 89,6 MHz).

Wer dieses Jahr unorthodox Silvester feiern möchte, könnte es mit dem Radio probieren. Die letzte Nacht des Jahres am Lautsprecher verbringen, unbelästigt vom pyrotechnischen Nahkampf auf den Straßen. Was passte da besser als die Evergreens der europäischen Operettengeschichte? Unter dem Titel „Glücklich ist, wer vergisst“ präsentiert DJ Marek Kalina einen Abend lang die Glanzstücke einer musikalischen Frohsinnskultur. Von „Fledermaus“ bis „Frau Luna“, von „Lustige Witwe“ bis „Blume von Hawai“. Es singen Richard Tauber, Lucia Popp, Elisabeth Schwarzkopf. Wer jetzt noch ein Fläschchen Champagner im Hause hat, dürfte in dieser Nacht keinen Mangel leiden (Kulturradio vom RBB, 31. Dezember, ab 20 Uhr 04, UKW 92,4 MHz).

Einerseits finden wir im Zirkus nur die Extremform einer Leistungsethik, die unsere Kultur beherrscht. Andererseits steht das fahrende Volk noch immer im Ruch des Unbürgerlichen. Wer mit Tigern Umgang pflegt, Würgeschlangen bändigt und einen scheinbar schwerelosen Körper hat, der kann doch kein ganz gewöhnlicher Mensch sein. Für ihr Feature „Zirkus“ haben die Autorinnen Rosvita Krausz und Barbara Entrup Zirkusleute vors Mikrofon geholt. Die erzählen vom Glück des Gelingens, aber auch von schweren Unfällen, Geldnöten, tragischen Liebeswirren (Kulturradio vom RBB, 1. Januar, 14 Uhr 04).

Seit mehr als vier Jahrzehnten ist Alexander Kluge in der deutschen Öffentlichkeit präsent. Als Künstler, Filmemacher, Geschichtenerzähler, Fernsehavantgardist. Er hat den Neuen Deutschen Film mit begründet, unsere jüngere Geschichtsschreibung um eigensinnige Beiträge bereichert, die Gattung des Fernsehinterviews revolutioniert. Nun hat der fast achtzigjährige Kluge die meisten Gefährten seiner Epoche überlebt. Grund genug für Autor Jochen Rack, Leben und Lebenswerk Alexander Kluges eine Lange Radionacht zu widmen. Unter dem Titel „Chronik der Gefühle“ sind hier viele Splitter dieser überreichen Biografie zusammengetragen. Kluge selbst gibt Auskunft (Deutschlandfunk, 2. Januar, ab 23 Uhr 05, UKW 97,7 MHz).

New York im Jahr 1893. Detektiv Makarov sitzt arbeitslos in seinem Büro, als ihn der Kunstmäzen und Millionär Andrew Carnegie zu sich ruft. Der Detektiv soll einen berühmten Tschaikowsky-Forscher suchen, der von einer Studienreise nach Russland nicht zurückgekehrt ist. Wie der Name vermuten lässt, hat Makarov russische Wurzeln. Die Rückkehr ins Land der Väter wird zum gefährlichen Abenteuer. Was mit den Abgründen in Tschaikowskys Biografie zu tun hat, aber auch mit den politischen Leidenschaften der Makarovschen Vorfahren. „Todesphantasie“ heißt das Kriminalhörspiel von Christoph Prochnow (Deutschlandradio Kultur, 4. Januar, 21 Uhr 33).

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