Im Radio : Freiheit oder Fleisch

Im Deutschlandfunk darf "Querkopf" Dieter Hildebrandt über die Kalamitäten der Zeitgeschichte spotten. Henry Bernhard gibt in einem Feature unappetitliche Einsichten ins Tiefkühlregal.

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Was macht eigentlich Dieter Hildebrandt? Heute Abend jedenfalls ist der Altkabarettist mit neuen Werken im Radio zu hören. In Potsdam nimmt er den Kleinkunstpreis „Salzburger Stier“ in Empfang und wird bei dieser Gelegenheit sein jüngstes Programm „Ich kann doch auch nichts dafür“ vorstellen. Die Reihe „Querköpfe“ überträgt die Preisverleihung und gibt Hildebrandt Raum für ein langes Solo. Wie ein nunmehr 84-jähriger über die Kalamitäten der Zeitgeschichte zu spotten weiß. Ein Fest für alle Freunde der gediegenen Politsatire (Deutschlandfunk, 25. Mai, 21 Uhr 05, UKW 97,7 MHz; Teil 2 am 1. Juni).

Vermutlich ist die Sicherungsverwahrung eine der heikelsten Angelegenheiten im deutschen Rechtssystem. Man will die Gesellschaft vor notorischen Übeltätern schützen, bewegt sich dabei aber in einer juristischen Grauzone. Heiner Dahls Feature „Eure Freiheit ist unsere Angst“ erzählt von den Konflikten um eine „Strafe ohne Maß“. Im Feature kommen Politiker, Juristen, Gutachter zu Wort, aber auch ein Mörder, der nach langer Sicherungsverwahrung freigelassen wurde. Auch diese Straftäter haben Rechte. Muss der Rechtsstaat also immer mit einem Restrisiko leben? (SWR 2, 25. Mai, 22 Uhr 05, Kabel UKW 107,85 MHz).

Wenn Kinder in ihrer Familie Schreckliches erlitten haben, gerät regelmäßig das Jugendamt unter Verdacht. Hätte das Amt nicht schneller und besser handeln müssen? Warum hat es die Kinder nicht rechtzeitig vor prügelnden Vätern oder nachlässigen Müttern geschützt? Wibke Starcks Feature „Kinder im Kreidekreis“ erzählt von Kindern, die aus einer Problemfamilie entfernt und bei Pflegeeltern untergebracht wurden. Oft fühlen sie sich zerrissen zwischen alter und neuer Welt, zwischen Loyalität zur Herkunft und der Hoffnung auf ein besseres Leben. Kinder, Eltern, Pflegeeltern und Mitarbeiter eines Jugendamtes beschreiben ihre Sicht auf eine dramatische Entscheidung (Deutschlandradio Kultur, 28. Mai, 18 Uhr 05, UKW 89,6 MHz).

Gerade zwei Monate alt ist das Zicklein, als es sterben muss. Ein entzückendes kleines Wesen, graubraun gescheckt, mit Hörnchen und Bärtchen. Das Zicklein ist eine Hauptfigur in Henry Bernhards Feature „Fleisch“. Der Hörer ist bei seiner Geburt dabei, hört es saugen und meckern und im Stall herumspringen. Aber nun endet das Zicklein als Opfer auf dem Altar unserer fleischlichen Gelüste. Das Feature versucht zu erklären, wieso die hoch zivilisierte Menschheit derart aufs Fleischessen verfallen ist und warum Tiere bei uns den Status eines Industrieprodukts haben. Eine Sendung über Tabus, Geschmackskultur, Ernährungsmoral. Ausdrücklich nicht nur für Vegetarier bestimmt, so der Autor. Wer allerdings weiter glauben möchte, dass sein Fleisch im Tiefkühlregal heranwächst, sollte mit unliebsamen Einsichten rechnen (Deutschlandfunk, 29. Mai, 20 Uhr 05, UKW 97,7 MHz).

Natürlich ist es nicht besonders angenehm, 50 zu werden. Selbst in unseren dehnbaren Zeiten, wo die Familiengründung häufig erst mit 40 beginnt, müssen Fünfzigjährige feststellen, dass sie nun keineswegs mehr jung sind. Bleibt wenigstens der Trost ungebrochener Schaffenskraft, gar das Versprechen auf menschliche und geistige Reife? Für sein Feature „Hälfte des Schriftstellerlebens“ hat Autor Jörg Plath mit deutschen Schriftstellern um die Fünfzig gesprochen. Einst war man eine Hoffnung, was ist man jetzt? Was ist erreicht, was soll noch kommen? Bräche man gern aus oder bleibt man lieber bei seinen Leisten? Spürt ein Künstler um die 50 wachsende Altersmilde oder bereits die ersten Anzeichen des Altersstarrsinns? (Deutschlandradio Kultur, 31. Mai, 19 Uhr 30)

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