Im RADIO : Freud und andere Katastrophen

Tom Peuckert verrät, was Sie nicht verpassen sollten.

Tom Peuckert

„Grau vonne Sozialhilfe, gelb von die Leberzirrhose, fett von die Döner-Kebabs“, so beschreiben die Hauptfiguren in Oliver Bukowskis Kriminalhörspiel „Monis Männer“ sich selbst. Horst ist Bademeister im Stadtbad, sein Kumpel Lothar schippt Kohlen in der alten Fabrik. Aber jetzt wollen die beiden ans große Geld ran. Ein Ertrunkener liegt in Horsts Schwimmbecken, ein junger Mann aus reichem Hause. Wie wäre es, eine Entführung vorzutäuschen und von der Familie des Toten ein Lösegeld zu fordern? Auch diesmal scheitern Horst und Lothar. Weil Scheitern die ihnen gemäße Existenzform ist. Eine Tragikomödie aus den östlichen Provinzen (Deutschlandfunk, 21. Februar, 0 Uhr 05, UKW 97,7 MHz).

Wie werden die Menschen in hundert Jahren über uns denken? Schauen die Bewohner komfortabler Paradiese auf eine Epoche unnützer Sorgen zurück? Oder ist in hundert Jahren niemand mehr da, der zurückschauen könnte? Das Feature „Erdöl“ von Jens Jarisch und Dörte Fiedler setzt auf die düstere Hypothese. Im Jahr 2108 erinnern sich ein paar Überlebende an das, was sie das Zeitalter des Erdöls nennen. Es begann um 1880 mit den ersten Ölfunden in Amerika. Millionen Jahre hatte der dämonische Naturstoff in der Erde geschlummert, nun beflügelt er das Treiben der Menschen auf nie gekannte Weise. Bis schließlich der immer zügellosere Gebrauch in die Katastrophe mündet (Deutschlandradio Kultur, 21. Februar, 18 Uhr 05, UKW 89,6 MHz).

Scheinbar ist das Warten nur ein lästiges Alltagsübel. Eine Lücke im Komfort, ein Riss in der Freiheit. Moderne Institutionen legitimieren sich durch die Verringerung von Wartezeit: schneller Zugriff auf die Ware, kurzer Prozess in den Verwaltungen. Aber auf die wirklich wichtigen Dinge können wir doch nur warten: auf eine Liebe, die uns zufällt, auf den Moment der Genesung von einer Krankheit, auf die glückliche Stunde, in der sich Probleme mit leichter Hand lösen lassen. In seiner langen Radionacht „Zeitdiebe lauern an jeder Ecke“ untersucht Autor Günter Rohleder diese und andere Aspekte des Wartens. Kein Warten ist wie das andere, jeder Mensch wartet auf die ihm gemäße Weise (Deutschlandfunk, 21. Februar, ab 23 Uhr 05).

Holger Böhmes Krimigroteske „Spritztour mit Leichenwagen“ beginnt im Irrenhaus. Lehrer Jungnickel wird eingeliefert, weil er hartnäckig behauptet, ein Mörder zu sein, aber keine Beweise für sein Verbrechen vorlegen kann. In der Anstalt trifft Jungnickel auf depressive Polizisten, manische Fernsehkonsumenten, weltfremde Berufssoldaten. Weil Wahnsinn und Gerechtigkeitsgefühl einander nicht ausschließen, bringen Jungnickels Leidensgenossen nun Licht in das Dunkel eines verworrenen Kriminalfalls. Ein Mörder, dessen Sünde Jungnickel auf sich nehmen wollte, wird überführt und vor ihr strenges Gericht gestellt. Ganz nebenbei deutet sich die zarte Behauptung an, dass Verrückte eigentlich die klügeren Menschen sind (Deutschlandradio Kultur, 23. Februar, 21 Uhr 33).

Hat Sigmund Freud gelacht? Kann man mit Freud lachen? Autor Ludger Lütkehaus bejaht die Fragen ausdrücklich. In seinem Radioessay „Jenseits des Frustprinzips“ entdeckt er den Begründer der Psychoanalyse als witzigen Autor in der Nachfolge großer Humoristen wie Georg Christoph Lichtenberg und Heinrich Heine. Eben nicht nur Theoretiker der seelischen Ökonomie des Witzes, sondern auch Praktiker des Komischen. Lütkehaus findet bei Sigmund Freud vor allem einen geistreichen Galgenhumor. Eine abgründige Komik, die sich im Gefolge der Weisheit einstellt (SWR 2, 23. Februar, 22 Uhr 04, Kabel UKW 107,85 MHz).

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