Im RADIO : Für die Dichter unter den Denkern

Tom Peuckert verrät, was Sie nicht verpassen sollten

Tom Peuckert

Für den Philosophen Ernst Bloch war Hoffnung das wichtigste Thema. Der Mensch ist das hoffende Tier. Ein warmer Traumwind weht jedem von uns in die Kindheit, später suchen wir nach dem imaginären Süden unserer Existenz. Autor Michael Opitz mustert Blochs Lehre in deutlich abgekühlteren, traumferneren Zeiten. Bloch war ein Dichter unter den Denkern. Was bleibt von seiner sprachmächtigen Prosa, die Geschichtsdeutung und Tiefenpsychologie zugleich sein wollte? „Geister der Utopie“ heißt das informative Feature (Deutschlandradio Kultur, 2. August, 19 Uhr 30, UKW 896,6 MHz).

Länger als ein Vierteljahrhundert hat Norbert bei Thyssen als Schlosser gearbeitet. Ein deutscher Facharbeiter, der nun den Boden unter den Füßen verliert. Im Feature „Der Abstieg“ dokumentiert Autor Reinhard Schneider, wie die Zumutungen einer neuen, globalisierten Arbeitswelt über Norbert hereinbrechen. Keine soliden Jobs mehr für klassische Industriearbeiter wie ihn, dafür radikale Ausbeutung bei sogenannten Zeitarbeitsfirmen. Entweder unterwirft sich Norbert den Gesetzen eines neuen Raubtierkapitalismus, oder er verschwindet in der Arbeitslosigkeit. Am Ende seines kurzen und heftigen Abstiegs bleibt ihm nicht einmal mehr diese Wahl (Deutschlandradio Kultur, 4. August, 18 Uhr 05).

Wenn eine Sache nach Verbrechen riecht und der gewöhnliche Verstand von Furcht überwältigt wird, kommt Sherlock Holmes ins Spiel. Der Meisterdetektiv sammelt eifrig Indizien, und bald haben die Bösewichter guten Grund, seine Kombinationsgabe zu fürchten. Im Hörspielkrimi „Das Abenteuer mit dem roten Kreis“ ängstigt sich die Hausbesitzerin Mrs. Warren vor einem unsichtbaren Mieter. Natürlich kommt Holmes einer radikal abgründigen Geschichte auf die Spur. Wer zur Fangemeinde des Arthur Conan Doyle gehört, sollte auch diese Episode nicht verpassen (Deutschlandradio Kultur, 5. August, 15 Uhr 05).

Martin Heidegger ist die Hauptfigur im Hörspiel „Die Fragen des Yeti oder Die Lichtung“ von Ingomar von Kieseritzky. Eine Gruppe von Philosophen wandert durchs Hochgebirge. Zwar ist Heidegger gar nicht leibhaftig dabei, aber alle Diskurse, die hier in Sturm und Schnee entfesselt werden, sind inspiriert von dem deutschen Meisterdenker. Kieseritzky läßt seine Philosophen am Berg scheitern. Hohe Existenzentwürfe stürzen in tiefe Gletscherspalten, glühende Metaphysik zerschellt an eisigen Hängen. Die Philosophie, so will Kieseritzky mit seiner furiosen Comedy wohl sagen, ist Artistik im Hochgebirge des Hirns, bei der es jederzeit zu Abstürzen kommen kann (SWR 2, 5. August, 18 Uhr 20, Kabel UKW 107,85 MHz).

Mittlerweile sind die deutschen Fünfziger auch schon ein halbes Jahrhundert alt. „Wirtschaftswunder-Revue“ nennt Margot Litten ihren beschwingten Rückblick auf die Epoche. Man isst wieder gut und reichlich in Deutschland, der millionste Käfer läuft vom Band, es herrscht Vollbeschäftigung. Erste italienische Gastarbeiter ziehen nordwärts über die Alpen, die ganze Welt wird im Fußball besiegt. Littens Revue erzählt das deutsche Glück am Nierentisch vorm Hintergrund einer dramatischen Nachkriegsgeschichte. Deutschland als eigentlicher Gewinner im Kalten Krieg. In den Fünfzigern wird eine Mentalität geboren, die noch unsere Gegenwart entscheidend beeinflusst (Deutschlandradio Kultur, 8. August, 0 Uhr 05).

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