Im Radio : Ganz unten in Deutschland

Im Feature "Neun Stockwerke Deutschland" porträtiert Reinhard Schneider Hartz-IV-Familien in Gladbeck, Astrid Nettlings Essay "Der böse Gast" erzählt von chronischen Schmerzen.

Tom Peuckert

Krimiautor David Zane Mairowitz hat einen Privatdetektiv namens Marlov erfunden, der seinen Beruf in der einstigen Sowjetunion ausübt. Marlovs Fälle führen allesamt in die mythischen Dunkelzonen des kommunistischen Reiches. Im Krimi „Rückkehr nach Irkutsk“ verschlägt es Marlov Mitte der siebziger Jahre an die Baikal-Amur-Magistrale, eine Bahnlinie durch den Fernen Osten. Eine junge Frau ist spurlos von einer Baustelle verschwunden. Die Suche nach ihr treibt Marlov tief in die sibirischen Sümpfe aus Gewalt und Korruption (Deutschlandfunk, 16. Juni, 0 Uhr 05, UKW 97,7 MHz).

An einem Junitag des Jahres 1904 wandert der Annoncenaquisiteur Leopold Bloom durch Dublin. Was Bloom während der achtzehn Stunden zwischen Erwachen und Einschlafen denkt, redet und tut, steht im Roman „Ulysses“ von James Joyce. Aus dem Buch wurde ein Stück Literaturgeschichte. Das Radio hat sich des gewaltigen Stoffes nun bemächtigt, Fans und Neugierige können sich an einer vielstündigen Hörspielfassung des Romans erfreuen und in der Langen Radionacht „Welt-Alltag der Epoche“ von Klaus Schöning und Klaus Reichert fast alles über das große Buch erfahren (SWR2, 16. Juni, ab 8 Uhr 03, Stream unter: http://swr.de/swr2 / Deutschlandradio Kultur, 16. Juni, ab 0 Uhr 05, UKW 89,6 MHz / Deutschlandfunk, 16. Juni, ab 20 Uhr 05).

Im Zentrum der Ruhrgebietsstadt Gladbeck steht ein Hochhaus, das wird nur von Randfiguren bewohnt. Ein Lebensort für Hartz-IV-Empfänger, für Menschen mit Vorstrafen und Alkoholproblemen. Ein ganzes Jahr lang ist Autor Reinhard Schneider mit seinem Mikrofon in Wohnungen und Fluren dieses Hauses unterwegs gewesen. Sein Feature „Neun Stockwerke Deutschland“ erzählt von einem Ort ganz unten in Deutschland (Kulturradio vom RBB, 17. Juni, 14 Uhr 04, UKW 92,4 MHz).

Kriminalrat Kreuzeder ist Chef des Passauer Morddezernats. Ein genialer Polizist, aber auch ein großer Säufer vor dem Herrn. Das Hörspiel „Kreuzeder und der Tote im Wald“ von Jörg Graser präsentiert eine schrille Revue bayerischer Typen und einen spannenden, gut recherchierten Kriminalfall im Grenzgebiet zur tschechischen Republik (Deutschlandradio Kultur, 18. Juni, 21 Uhr 33).

Der Schmerz ist der unangenehmste Gast im Haus des Körpers. Manche kennen ihn als dauerhaften Schmarotzer an der eigenen Lebenssubstanz, andere erleben nur hin und wieder schockierende Blitzbesuche. Das Essay „Der böse Gast“ von Astrid Nettling erzählt vom Schmerz als Thema in Kunst und Literatur. Das körperliche Leid hat eine breite Spur in den Werken hinterlassen. Als wort- und bildmächtige Wehklage und in Versuchen seiner plastischen Darstellung und subtilen Analyse (SWR 2, 18. Juni, 22 Uhr 05, Kabel UKW 107,85 MHz).

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