Im RADIO : Geister, Quiz und Katastrophen

Tom Peuckert verrät, was Sie nicht verpassen sollten.

Tom Peuckert

Vor dreißig Jahren muss Kambodscha die Hölle auf Erden gewesen sein. Die Schlachtfeste der Roten Khmer, so berichtet Alexander Goeb im Feature „Viele Geister, viele Tote“, stürzten das Land in traumatische Dämmerung. In den Jahrzehnten danach blieben die Schrecken der eigenen Geschichte tabuisiert, die Mörder lebten unbehelligt mitten in der Gesellschaft. Aber nun hat Kambodscha eine Hoffnung. Regierung und Vereinte Nationen haben ein Tribunal zur Aufklärung der Verbrechen ermöglicht, der erste Massenmörder steht vor Gericht. Autor Goeb erzählt über ein Land, das wieder zum Leben erwachen möchte (SWR 2, 25. Februar, 22 Uhr 05, Kabel UKW 107,85 MHz).

Einerseits ist Glas eine banale Sache. Andererseits lassen sich eine Menge schöne und traurige Geschichten über den Stoff erzählen. Über alte Glashütten, die nahe bei Wald und See standen, über den schweren Alltag und die federleichten Legenden der Glasbläser. Glas tönt auch wunderschön, wie uns das Hörspiel „Der Glasbläser“ von Iris Disse und David Höner in vielen musikalischen Varianten beweist. Ein sonderbar zeitentrücktes Märchen von Glas und Liebe erzählen die Autoren, in dem sich ein Arbeiter und die Sekretärin der Versandabteilung im Glaswerk für einen Moment sehr nahekommen, aber am Ende doch jeder hinter der gläsernen Wand seines Egos verborgen bleibt (Kulturradio vom RBB, 27. Februar, 22 Uhr 04, UKW 92,4 MHz).

Krimiautor David Zane Mairowitz hat einen russischen Privatdetektiv namens Marlov erfunden, den er am offenen Herzen der stalinistischen Epoche operieren lässt. Marlov ermittelte im Fall des ermordeten Leningrader Parteisekretärs Kirov, zwanzig Jahre später untersuchte er im Auftrag Berijas die Hintergründe von Stalins Ableben. Nun schickt Nikita Chruschtschow den ungeliebten, aber brauchbaren Detektiv nach Rumänien. Im sozialistischen „Bruderland“ hat es 1959 einen seltsamen Banküberfall gegeben, für den jüdische Intellektuelle verantwortlich gemacht werden. Im Krimi „Marlov – Rumänische Rhapsodie“, der einmal mehr auf tatsächlichen Begebenheiten basiert, taucht Marlov ein in die politischen Sümpfe Bukarests und trifft dabei auf einen bösen Mann namens Ceausescu (Deutschlandfunk, 28. Februar, 0 Uhr 05, UKW 97,7 MHz).

Jeden Sonntag macht das Radio eine Zeitreise. Dann wird wieder eine Folge von Hans Rosenthals Quizklassiker „Allein gegen alle“ aus den Archiven gekramt. Behutsam gekürzt und ergänzt um einen Kommentar, der den Jüngeren die legendäre Dimension des Unternehmens erklärt. Wir hören den magischen Sound des alten Unterhaltungsradios, der einst Millionen an die Lautsprecher fesselte. Einzelne Bürger haben sich komplizierte Fragen ausgedacht, eine ganze Stadt muss die richtige Antwort finden. Big Bands schmettern Evergreens, man grüßt die Landsleute hinterm Eisernen Vorhang. Die Sonntage der Kindheit stehen wieder plastisch vor uns, weil bekanntlich auch vom Ohr eine direkte Leitung in die tiefsten Gedächtnisschichten führt (Deutschlandradio Kultur, 1. März, 8 Uhr 05, UKW 89,6 MHz).

Eine kämpferische Ehefrau ist die Hauptfigur in Claudia Pineiros amüsantem Krimi „Ganz die Deine“. Jeder Widerstand weckt die Löwin in dieser Ines. Zuerst war da der Zettel mit einer Liebeserklärung, den sie aus der Aktentasche ihres Mannes fischt. Später der heimlich beobachtete Streit, den der Gatte mit einer Frau hat. Die Frau überlebt den Streit nicht, Ines hilft, die Leiche zu verstecken. Nun erst recht soll das Familienleben vorm Zerbrechen bewahrt werden. Ines taumelt von einer Katastrophe in die nächste, aber nichts kann ihren eisernen Überlebenswillen außer Gefecht setzen (Deutschlandradio Kultur, 3. März, 21 Uhr 33).

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