Im RADIO : Globke, Lenz und Goethes Schatten

Hans Maria Globke war einer der wichtigsten Beamten der jungen Bundesrepublik. Anfanger der fünfziger Jahre galt Adenauers Staatssekretär als graue Eminenz in Bonn. Zuvor war er ein wichtiger Mann im Naziapparat. Tom Peuckert verrät, was Sie nicht verpassen sollten

Tom Peuckert

Hans Maria Globke war einer der wichtigsten Beamten der jungen Bundesrepublik. Anfanger der fünfziger Jahre galt Adenauers Staatssekretär als graue Eminenz in Bonn. Globke war bis zum Ende des zweiten Weltkriegs aber auch eine wichtige Figur im Naziapparat gewesen, zuständig für die juristische Begründung der Rassengesetze. So wurde er zu einem umstrittenen Symbol der deutschen Nachkriegspolitik und des Kalten Krieges. Zeigte sich am Fall Globke das Versagen der Entnazifizierung oder handelte es sich um einen Mann, dessen Vita man nicht mit Schwarzweißdenken gerecht werden konnte? Im Feature „Die Spinne im Netz“ versuchen sich die Autoren Jürgen Bevers und Bernhard Pfletscher an einem späten Urteil. Sie erzählen das Leben eines geschmeidigen Staatsdieners und damit auch ein dramatisches Kapitel aus der jüngeren deutschen Geschichte (Kulturradio vom RBB, 10. Juni, 22 Uhr 04, UKW 92,4 MHz).

Mache nichts Illegales, wenn du ein Illegaler bist! Es klingt wie ein Paradox, ist aber eine goldene Regel für Leute, die ohne Aufenthaltsgenehmigung in Deutschland leben. Polle Wilberts Hörspiel „Illegal“ basiert auf Interviews mit Menschen, die eigentlich nicht bei uns sein dürften. Sie arbeiten als Servierkräfte, Putzfrauen oder Prostituierte, versuchen sonst aber unsichtbar zu bleiben. Es gibt keine genauen Statistiken über ihre Zahl. Das Hörspiel erzählt Geschichten über die Gründe ihrer Anwesenheit, über ihre Pläne und Hoffnungen und über ihre Überlebenstechniken (SWR 2, 11. Juni, 18 Uhr 20, Kabel UKW 107, 85 MHz).

Die Mitte unserer Gesellschaft erodiert, an den Rändern geht es immer bedrohlicher zu. Das ist nicht unbedingt eine neue Diagnose für Deutschland, aber jede Generation füllt sie mit eigenen Anschauungsbildern. Unter dem Titel „Reiche, Arme, Ausgeschlossene“ hat Autor Jochen Rack mit drei renommierten deutschen Soziologen über wachsende Gerechtigkeitslücken, eine rebellischer werdende Unterschicht und ähnlich unfrohe Botschaften gesprochen. Zum Autakt interviewt Rack den Soziologieprofessor Heinz Bude. Ein Wissenschaftler, der unermüdlich auf einen dramatischen Riss in unserer Gesellschaft aufmerksam macht. Durch lange Arbeitslosigkeit oder prekäre Beschäftigungsverhältnisse fallen Menschen aus sozialen Anerkennungszusammenhängen heraus und werden zu Ausgeschlossenen. (Deutschlandfunk, 14. Juni, 9 Uhr 30; Teil 2 und 3 am 21. und 28. Juni, 9 Uhr 30, UKW 97,7MHz).

Der Maler Ernst Ludwig Kirchner hat faszinierende Bilder geschaffen, die unsere sinnliche Erfahrung auf den Kopf stellen. Aber Kirchner war auch sein Leben lang krank und drogensüchtig. Er flüchtete vor der Welt in ein einsames Alpendorf, mit 58 Jahren schoss er sich tot. Elke Heinemanns schönes Hörspiel „Ernst Ludwig Kirchner: Inside/Out“ zeichnet die Künstlertragödie in einer akustischen Collage nach. (Deutschlandradio Kultur, 14. Juni, 18 Uhr 30, UKW 89,6 MHz).

Eine junge Frau ist verschwunden, die Eltern wenden sich an einen privaten Ermittler. Überraschenderweise ist der nicht Detektiv, sondern Spezialist für deutsche Literaturgeschichte. Sollte das Verschwinden der Tochter mit ihrer Doktorarbeit über die problematische Beziehung zwischen Goethe und Lenz zu tun haben? In Marc Buhls Radiokrimi „Der Schatten des Meisters“ erfährt der Hörer schnell, dass die Eltern auf der richtigen Fährte sind. Damit ist noch nicht geklärt, was Goethe vor mehr als 200 Jahren in Weimar seinem Jugendfreund Lenz angetan hat. Es gibt ja neben vielen Goethe-Verehrern immer auch Goethe-Verächter. Werden sie triumphieren, wenn am Ende des Krimis alle Karten auf dem Tisch liegen? (Deutschlandradio Kultur, 15. Juni, 21 Uhr 33; Teil 2 am 22. Juni)

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