Im RADIO : Halbweltdamen und Raketenstarts

Was Sie diese Woche im Hörfunk nicht verpassen sollten.

Tom Peuckert

Wenn der Kummer allzu groß wird, ist Dada die beste Hausmedizin. Das jedenfalls glaubte Doktor Richard Huelsenbeck, studierter Nervenarzt und vor neunzig Jahren führender Kopf der Berliner Dada-Bewegung. Dada hieß, die Zumutungen der Welt auf ihre traurige Spitze treiben, damit man endlich über sie lachen kann. Regisseur Ulrich Gerhardt hat einen Roman des dichtenden Mediziners fürs Hörspiel adaptiert. „Doctor Billig am Ende“ führt in die Welt der Kriegsgewinnler, Großschieber und internationalen Spekulanten. Der lebenshungrige Doctor Billig verliebt sich eine Halbweltdame und geht im materiellen Taumel der frühen Zwanziger zugrunde (Deutschlandradio Kultur, 29. August, 21 Uhr 33, UKW 89,6 MHz).

Intelligente Technologien werden ständig besser und billiger. Mittlerweile kann sich jeder Privatmann eine Rechnerkapazität leisten, die früher finanzstarken Institutionen vorbehalten war. Kein Wunder, dass Laien nun auch in der Raumfahrt wildern. Das Feature „Aus der Garage ins All“ von Christian Grasse und Jochen Dreier erzählt von privaten Weltraumprojekten, die heute wie Pilze aus dem Boden schießen. Raketenflüge für Jedermann, Satellitennetze in der Hand von Hackern, private Unternehmen, die den Mond erforschen (Deutschlandradio Kultur, 30. August, 19 Uhr 30).

Vor 40 Jahren überfallen palästinensische Terroristen das Olympische Dorf in München. Sie nehmen elf israelische Sportler als Geiseln und fordern die Freilassung hunderter Palästinenser und der RAF-Mitglieder Baader und Meinhof. Während hektische, schlecht koordinierte Polizeiaktionen anlaufen, gehen die Wettkämpfe der Spiele weiter und auch der Alltag in Deutschland. Das Feature „Radioday 5. September 1972“ von Stella Luncke und Josef Schäfer rekonstruiert die Atmosphäre dieses Tages allein aus Radiodokumenten, die am 5. September ausgestrahlt wurden. Ein Tag, an dem nichts war wie sonst und die Welt sich trotzdem weiter drehte (Kulturradio vom RBB, 1. September, 9 Uhr 05, UKW 92,4 MHz).

Hanns Eisler wollte mit Musik für eine bessere Gesellschaft kämpfen. Aber seine schönsten Kompositionen sind doch Elegien geworden, in denen die Hoffnung keine allzu große Rolle spielt. Vielleicht, weil der Schönberg-Schüler seine besten Jahre als Filmmusiker im kalifornischen Exil verbringen musste und später unter Stalins Kulturpolitik litt. Der Musiker Heiner Goebbels hat zum Fall Eisler eine Collage aus Tondokumenten und eigenen, von Eisler inspirierten Kompositionen gemacht. „Eislermaterial“ heißt das schöne Hörspiel zum 60. Todestag des Komponisten (Deutschlandfunk, 1. September, 20 Uhr 05, UKW 97,7 MHz).

Eine junge Frau, die mit ihrem Baby nachts in der Berliner U-Bahn unterwegs ist, wird von zwei betrunkenen Männern bedroht. Als ein Fremder ihr zu Hilfe kommt, eskaliert die Situation. Einer der Angreifer stirbt im Handgemenge, der Fremde verschwindet spurlos. Im Krimi „Heldentod“ von Dirk Josczok müssen die Ermittler bald annehmen, dass der Beschützer der jungen Frau bei anderen Gelegenheiten ein brutaler Täter gewesen ist. Weil die Frau Kontakt zu ihrem Retter sucht, beginnt für die Polizisten ein Wettlauf mit der Zeit (Deutschlandradio Kultur, 3. September, 21 Uhr 33).

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