Im RADIO : Hippie, Hightech, Hammerstein

Tom Peuckert verrät, was Sie nicht verpassen sollten

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Früher war die Boheme analog. Sie saß in schäbigen Lokalen, produzierte ihre Werke auf Papier und lebte gegen den Rhythmus des Industriezeitalters. Seit einigen Jahren wird nun von einer „digitalen Boheme“ geredet. Eine neue Spezies, die das Internet zum Arbeits- und Lebensplatz gemacht hat. Junge Akademiker, die nicht mehr um rare Festanstellungen rangeln, sondern es im Dschungel der Märkte auf eigene Faust versuchen. Arne Reuls Feature „Hippie und Hightech“ wagt ein Porträt dieser jungen Branche der Kreativwirtschaft. Reul erzählt von ökonomischen Strukturen und alltäglichen Lebenskonzepten in einer neuen Boheme, die mit der alten nicht viel mehr als den Namen gemein hat (Deutschlandradio Kultur, 27. Oktober, 19 Uhr 30, UKW 89,6 MHz).

Veganer ernähren sich ausschließlich von pflanzlichen Produkten, verschmähen sogar Eier von freilaufenden Hühnern und Milch von glücklichen Kühen. Die Strengsten unter den Strengen, wenn es um gesundes und moralisch tadelloses Essen geht. Berlin ist heute die Hauptstadt der Veganer, wie Michaela Schlagenwerth in ihrem Feature „Veganer – Lebensstil der Zukunft“ berichtet. Vor allem jüngere Menschen finden eine Menge guter ökologische und ethischer Gründe für ihre Enthaltsamkeit. Das Feature erzählt vom Aufschwung einer neuer kulturellen Bewegung und porträtiert deren Aktivisten (Kulturradio vom RBB, 28. Oktober, 22 Uhr 04, UKW 92,4 MHz).

Wie eine rätselhafte Krankheit ist die große Finanzkrise durch den gesellschaftlichen Organismus gezogen. Scheinbar stand einen Moment lang alles auf der Kippe, die Kosten der Rettung wurden dramatisch, heute rollt die nächste Konjunkturwelle, als wäre nie etwas gewesen. Was genau ist eigentlich passiert? Wer erklärt uns den jähen Wechsel von Apokalypse und Optimismus? Autor Thomas Diecks hat bei Goethe nachgeschlagen. Sein Feature „Die Alchimie des Geldes“ entdeckt vor allem im zweiten Teil des „Faust“ verblüffend aktuelle Einsichten in das Wesen des modernen Geldgewerbes. Wie Goethe über Kreditwirtschaft dachte und warum er dem Papiergeld magische Kräfte zumaß. Wie viel Schöpfer-, aber auch Zerstörungskräfte in monetären Fantasien stecken und wieso Scharlatane hier ein reiches Betätigungsfeld finden (Kulturradio vom RBB, 30. Oktober, 19 Uhr 04).

Hans Magnus Enzensberger hat einen biografischen Roman über einen deutschen Reichswehrgeneral geschrieben. Über einen Mann, der seine Karriere aufgab, weil er nicht mit den Nazis paktieren wollte. Dieser Kurt von Hammerstein stammte aus westfälischem Adel und hat die meiste Zeit seines Lebens beim Militär verbracht. Trotzdem schildern ihn Weggefährten als aufgeklärten Weltbürger mit Hang zum Müßiggang. Enzensberger hat seinen Roman nun in eine Hörspielform gebracht. „Hammerstein oder der Eigensinn“ erzählt von einem Mann, der entschlossen an den deutschen Sekundärtugenden vorbeilebte und gerade deshalb als Mensch ohne Fehl und Tadel erscheint (SWR 2, 31. Oktober, 18 Uhr 20, Kabel UKW 107,85 MHz; Teil 2 am 1. November, 18 Uhr 20).

Was eigentlich ist ein gutes Leben? Welche Zutaten braucht eine beneidenswerte Existenz? Als klassische Ingredienzen gelten Liebe, Arbeit, Freundschaft, Gesundheit. Aber natürlich muss ein Mensch auch Talent haben, das alles genießen zu können. Für sein Feature „Gutes Leben“ hat sich Autor Jochen Rack unter Lebensexperten aller Art umgehört. Menschen verschiedener Generationen erzählen von ihren Versuchen, ein gutes Leben zu führen. Nicht das eine richtige Konzept, sondern eine Fülle biografischer Experimente. Das gute Leben als lebenslang hoffnungsfrohe Suche nach einem solchen (Deutschlandfunk, 31. Oktober, 20 Uhr 05, UKW 97,7 MHz).

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