Im RADIO : Hörfunk-Tipps der Woche

Brecht, Goethe und die Ehe zu dritt: Was Sie diese Woche im Radio nicht verpassen sollten.

Tom Peuckert

Auf die erste Vorstellung seines Dramas „Die Heilige Johanna der Schlachthöfe“ musste Bertolt Brecht lange warten. Er schrieb das Stück 1930, auf die Bühne kam es erst 1959 in Hamburg. Immerhin wurde Brecht vorher vom Radio getröstet. Die „Berliner Funkstunde“ sendete seine berühmte Parabel über Kapitalismus, Fressen und Moral schon Anfang der dreißiger Jahre als Hörspiel. Mit großer Besetzung: Fritz Kortner, Helene Weigel, Ernst Busch in den Hauptrollen. Der Deutschlandfunk strahlt die Inszenierung erneut aus (Kulturradio vom RBB, 25. April, 22 Uhr 04, UKW 92,4 MHz).

In der indischen Stadt Mumbai leben 14 Millionen Menschen. Mumbai ist „melting pot“ der Kulturen und Kapitale des Terrors, Bollywood-Zentrale und größter Slum Asiens. Natürlich gibt es in Mumbai auch jede Menge Dichter, Romanciers, Bestsellerautoren. Das Feature „Von Göttern, Träumern, Unberührbaren und falschen Diven“ von Gerd Brendel porträtiert Literatur und Literaten der Megacity (Deutschlandradio Kultur, 27. April, 0 Uhr 05, UKW 89,6 MHz).

Kathi ist Friseuse in Berlin. Weil ihr Leibesumfang angeblich das ästhetische Empfinden der Kundschaft beleidigt, hat sie die Stelle in einem teuren Salon nicht bekommen. Nun sucht sie nach Risikokapital, um einen eigenen Laden aufzumachen. Kathi war Hauptfigur in Doris Dörries Film „Die Friseuse“; unter dem Titel „Ick bin nu ma Friseuse“ hat Regisseurin Judith Lorentz das Drehbuch von Laila Stieler fürs Hörspiel adaptiert (Kulturradio vom RBB, 27. April, 14 Uhr 04).

Johann Wolfgang Goethes Drama „Stella“ erzählt von zwei Frauen, die denselben Mann lieben. Weil kein anderer Ausweg denkbar ist, wird eine Ehe zu dritt gewagt. Dieser erotische Kompromiss ging der Zensur zu weit, nach der Uraufführung 1776 in Mannheim wurde das Stück verboten. Viele Jahre später schrieb Goethe eine zweite, wesentlich düsterere Fassung. Die Hörspieladaption von Fritz Göhler für den DDR-Rundfunk aus dem Jahr 1982 spielte mit beiden Fassungen (Deutschlandfunk, 29. April, 20 Uhr 10, UKW 97,7 MHz).

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