Medien : Im Radio: Hörspiele sehen

"Woche des Hörspiels"[in der Akademie der K&]

Wie soll man der eigenen Harmlosigkeit entkommen, fragen sich die Figuren in Kathrin Rögglas Hörspiel. Ein Hysterie-Stück für den abgesunkenen Mittelstand, nennt die Autorin ihr Radiodrama. Es erzählt von jugendlichen Webdesignern und Mediendealern, von frischgebackenen Rittern des Aktiendepots und Erstkunden auf dem Immobilienmarkt. Die Zeit: irgendwann in den späten Neunzigern. Zwar wird die virtuell durchströmte Welt immer unbegreifbarer, aber die "Generation Berlin" redet trotzdem darüber.

Bereits in ihrem hochgelobten Prosadebüt hat sich Kathrin Röggla als sarkastische Porträtistin des hiesigen Metropolenlebens gezeigt. Ihr Hörspiel "Selbstläufer" bietet einen Remix zum erprobten Sound. Die Diskurse der bürgerlichen Welt im Moment ihrer Auflösung. Hochartifizielles Zeitgeistgenöle. Pointiertes Bewusstseinsgeräusch. Vorgetragen von vier wunderbar präzisen Schauspielern. "Selbstläufer" ist ein Text, dessen schwarzer Humor sich nicht durch einmaligen Genuss erschöpfen lässt. Mit jedem Hören scheint er geistreicher. Also unbedingt Recorder programmieren (Deutschlandradio Berlin, 13. November, 0 Uhr 05, UKW 89,6 MHz).

Wer sich auf orthodoxeren Wegen über die Welt informieren möchte, sei einmal mehr auf die zahllosen Bildungsangebote im Radio verwiesen. Was es allein in den nächsten sieben Tagen zu lernen gibt! Ein langes Feature widmet sich dem Staub als menschlicher Furcht- und Faszinationsquelle, an anderem Ort wird über die Kulturgeschichte des Schmerzes referiert. Passend dazu eine Sendung, die die Entwicklung der medizinischen Narkosetechniken nachzeichnet. "Hammer, Whisky, Chloroform" - so sind die Kapitel im Beitrag von Rhia Herrad überschrieben (Deutschlandradio Berlin, 13. November, 14 Uhr 40, UKW 89,6 MHz).

An dieser Stelle sei auch ein Besuch bei der "Woche des Hörspiels" empfohlen. Einmal im Jahr kann man dort Radio außerhalb des Radios hören. Schöne Atmosphäre in der Akademie der Künste. Draußen rieseln letzte Blätter auf den nachtschwarzen Boden des Tiergartens, drinnen sitzt man mit hundert anderen in einem Saal und starrt auf eine Bühne, auf der nichts zu sehen ist als zwei überdimensionale Lautsprecher. Die Augen schließen, die Ohren weiten sich. Man trinkt Rotwein und fühlt sich wunderbar dekadent dabei. Vorausgesetzt natürlich, die präsentierten Hörspiele sind hinreichend amüsant. Darüber wacht eine Publikumsjury.

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