Im RADIO : Im Hotel am Fensterkreuz

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Susanne ist 15 Jahre alt und hat Probleme mit der Welt. Der Vater ist verschwunden, die Mutter überfordert, der neue Lehrer verständnislos. Susanne soll funktionieren, aber jetzt redet sie sich erst einmal den Frust von der Seele. „Zwischen Gestern und Morgen“ heißt das Hörspiel um einen lebensmüden Teenager, das Autor Wolfgang Mahlow 1980 in der DDR geschrieben hat. Er bekam dafür den Preis der Hörspielkritiker, obwohl seine Susanne wirklich kein Blatt vor den Mund nahm und zwischen all den kaputten sozialen Beziehungen das offiziell geforderte positive Gegenbeispiel nirgends zu entdecken war (Deutschlandradio Kultur, 18. Mai, 21 Uhr 33, UKW 89,6 MHz).

Auf vielen deutschen Autobahnen spaltet sich die Menschheit in zwei rivalisierende Fraktionen. Die einen fahren trotz fehlenden Tempolimits rücksichtsvoll, die anderen berufen sich auf ihre gesetzlich verbriefte Freiheit zur Erzeugung von dicken Abgasschwaden und Stress bei den Mitreisenden. Warum eigentlich ist Deutschland das einzige Land der Welt, in dem noch zügellos gerast werden darf, obwohl Statistiken keinen Zweifel an der Asozialität dieses Verhaltens lassen? Tobias Barths Feature „Tempolimit“ zieht Erkundigungen ein. Der Autor spricht mit Testfahrern und Rettungssanitätern, Auto-Lobbyisten und Abgasforschern, Geschwindigkeitsphilosophen und Geschwindigkeitsfreaks (Kulturradio vom RBB, 21. Mai, 9 Uhr 05, UKW 92,4 MHz).

Einmal den Hauptgewinn in einer Lotterie abräumen. Oder wenigstens das Preisausschreiben der Zeitung gewinnen. Die Jury der Castingshow überzeugen, die Auslober des Stipendiums beeindrucken. Es gibt in Deutschland unzählige Wettbewerbe, bei denen man etwas gewinnen kann, und es gibt Menschen, die sich pausenlos an solchen Wettbewerben beteiligen. Susanne Franzmeyers Feature „Und der Gewinner ist …“ taucht ein in die Szene der notorischen Glücksritter. Kann man seinen Lebensunterhalt wirklich durch derartige Gewinne bestreiten? Oder profitiert am Ende immer nur der Veranstalter? Das Feature beobachtet deutsche Castings und Contents aus allen Perspektiven (Deutschlandradio Kultur, 21. Mai, 18 Uhr 05).

Zuerst war das Fliegen der private Traum einiger Exzentriker. Seltsame Käuze machten die Bewegung der Vögel zum Gegenstand wissenschaftlicher Forschung. „Endlich habe ich begriffen, was den Vogel zum fliegenden Individuum macht“, schreibt der Berliner Ingenieur Otto Lilienthal 1871 an seinen Bruder, es folgen Konstruktionsskizzen und mathematische Berechnungen. In Fritz Rudolf Fries’ Hörspiel „Der fliegende Mann“ ist Lilienthal der lebende Beweis für den Drang des Menschen zur Grenzüberschreitung, zur Utopie. Aber auch für die Möglichkeit des bitteren Scheiterns. Mit abenteuerlichen Flugapparaten startet Lilienthal von einem Berg im Havelland, eines Tages fliegt er 300 Meter weit. Doch dann stürzt er ab… (SWR 2, 22. Mai, 18 Uhr 45, Kabel UKW 107,85 MHz).

Ein kleines Pariser Hotel um die vorletzte Jahrhundertwende. Im Zimmer Nummer 7 geschehen grauenvolle Dinge. Schon der dritte Gast hat sich binnen kurzer Zeit am Fensterkreuz erhängt. Man findet die Leichen mit verzücktem Gesicht und einer kleinen schwarzen Spinne im Mund. Medizinstudent Bracquemont bietet an, dieses sonderbare Zimmer zu bewohnen und dem Spuk mit naturwissenschaftlicher Nüchternheit ein Ende zu bereiten. „Clarimonde“ heißt Uwe Scharecks Kriminalhörspiel nach einer Erzählung von Hanns Heinz Ewers. Eine erlesene Schauergeschichte für Freunde des ganz und gar Mysteriösen. Wer bisher mit Spinnen ein Problem hatte, wird es an diesem Abend garantiert nicht loswerden (Deutschlandradio Kultur, 23. Mai, 21 Uhr 33)

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