Im RADIO : Im Zwiespalt mit sich selbst

Von Nerven und Meeren: Was Sie diese Woche im Hörfunk nicht verpassen sollten.

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Akustische Halluzinationen gelten als sicheres Indiz einer wahnhaften Erkrankung. Manchmal befehlen die Geisterstimmen im Kopf furchtbare Verbrechen. Marianne Wendts und Christian Schillers Feature „Stimmen hören“ bilanziert neueste Forschungsergebnisse der Neurologie. Beim Stimmenhören werden akustische Nervenzellen eigenmächtig aktiv, es melden sich freundliche Ratgeber und ätzende Kommentatoren, ängstliche Mahner oder dreiste Vorschriftenmacher. Therapie der Zukunft könnte das sogenannte Neurofeedback sein. Ein Verfahren, mit dessen Hilfe die eigene Nervenaktivität wahrnehmbar wird (Deutschlandradio Kultur, 10. Januar, 19 Uhr 30, UKW 89,6 MHz).

Ein Berliner Kriminalkommissar verhört Anfang 1944 einen Mordverdächtigen. Am Ende ihres langen Duells gesteht der Mann sein Verbrechen und die Gerechtigkeit nimmt ihren Lauf. Viel mehr geschieht nicht in Matthias Eckoldts und Tatjana Reses Hörspiel „Ich bin ein Schweinehund, das ist gar nicht auszudenken!“. Es sind die historischen Umstände, die aus dem Verhör ein sehr dramatisches Ereignis machen. Hier wird im Kleinen rechtsstaatlich geahndet, was im Großen gerade millionenfach vor sich geht: ein Mord an jüdischen Mitbürgern. Das Hörspiel ist eine Fiktion mit dokumentarischem Hintergrund. Den erfolgreichen Verhörer hat es tatsächlich gegeben. Er wird später zum führenden Kriminalisten der jungen Bundesrepublik (SWR 2, 11. Januar, 22 Uhr 03, Kabel UKW 107,85 MHz).

Im Hörspiel „Eisen“ erzählt die britische Autorin Rona Munro von einer Frau, die den Vater ihrer Tochter ermordet hat. Seit 15 Jahren sitzt sie im Gefängnis, nun kommt die erwachsene Tochter zu Besuch. In kürzester Zeit holen Mutter und Tochter alle Stationen eines familiären Beziehungsdramas nach: Aus dem Misstrauen wächst eine jähe Liebe, von der die Tochter sich dann wieder emanzipieren will. Die Tochter fragt nach der Schuld, aber es gibt keine klare Antwort. Mit jedem neuen Detail, das die Mutter preisgibt, verändert sich die Wahrheit über das Verbrechen (Deutschlandfunk, 12. Januar, 20 Uhr 05, UKW 97,7 MHz).

Wer mit Robinson Crusoe aufwuchs, glaubt über Schiffbrüche Bescheid zu wissen. Aber wie geht man wirklich in den Weiten der Meere unter, im Zeitalter perfekter Kommunikationstechnik und lückenloser Satellitenaufsicht? Ulrike Klausmanns Feature „Schiffbruch“ erzählt von ganz gegensätzlichen Katastrophen. Da sind die elenden Kähne der Afrika-Flüchtlinge, die unbemerkt im Mittelmeer zerschellen. Andererseits der absurd-dekorative Untergang des Kreuzfahrtriesen Costa Concordia. Es gibt Schiffbrüche, von denen wir nichts wissen wollen, während andere via Livebericht im Wohnzimmer zu besichtigen sind (Deutschlandfunk, 13. Januar, 20 Uhr 05).

Zwei erfolgreiche Schriftstellerinnen mittleren Alters reden über das Leben. Sie sind zynisch und offen, wie man es nur Machos zutraut. Knallhart haben sie für ihren Aufstieg gekämpft, jetzt leisten sie sich junge Männer zu Genusszwecken. Marlene Streeruwitzs Hörspiel „Preisträgerinnen“ präsentiert zwei reife Erfolgsfrauen und ihre Dialoge über Karrieren und Macht. Sie scheinen zunächst Konkurrentinnen, dann werden ihre Reden immer monologischer. Handelt es sich nur um eine einzige Frau im rhetorischen Zwiespalt mit sich selbst? (Deutschlandfunk, 15. Januar, 20 Uhr 10)

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