Im RADIO : Kaiser und Gastrosexuelle

Joseph Roth und die Kapuzinergruft, Frank Lüdecke und das Internet - was man im Radio in den nächsten Tagen nicht verpassen sollte.

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Obninsk ist eine russische Stadt, gut 100 Kilometer von Moskau entfernt. Hier ging vor sechzig Jahren das erste Atomkraftwerk der Welt in Betrieb, hier wird noch immer Militärphysik betrieben. Für ihr Feature „Die Hoffnung auf dem Transformatorenhäuschen“ ist Autorin Gisela Erbslöh nach Obninsk gefahren. Sie stößt auf Mauern des Schweigens, findet dann aber eine verwitterte Inschrift auf einem Transformatorenhäuschen. Das deutsche Wort Hoffnung ist da zu lesen. Ein erster Hinweis auf die Geschichte der verbotenen Stadt. Es waren deutsche Atomwissenschaftler, die Obninsk nach 1945 zur Wiege der russischen Kernphysik machten (Deutschlandfunk, 15. August, 20 Uhr 10, UKW 97,7 MHz).

In der Kapuzinergruft liegen Österreichs Kaiser begraben. Die Grabstätte ist das berühmteste Symbol der Donaumonarchie. Auch der Schriftsteller Joseph Roth hat ein Buch nach ihr benannt. Der 1938 erschienene Roman „Die Kapuzinergruft“ erzählt von den Jahren um den Ersten Weltkrieg. Alle Hauptfiguren gehören zur Familie von Trotta, die seit Generationen eng mit der kaiserlichen Familie verbunden ist. Am Ende des Krieges geht die hochadelige Familie gemeinsam mit der Donaumonarchie unter. Roths Roman gibt es nun auch in einer schönen Hörspieladaption im Radio (Deutschlandfunk, 16. August, 20 Uhr 05).

Wenn Männer spielen, tun sie das meist sehr ernsthaft. Nehmen wir nur die Hobbyköche, die mit Hochleistungswerkzeug und exzellentem Fachwissen in ihren Privatküchen um kulinarische Perfektion ringen. Carsten Ottes Feature „Wir Gastrosexuellen“ erkundet die Welt jener Männer, die Kurse bei Schlachtern besuchen und sich zum Geburtstag einen Dörrautomaten wünschen. Sie kämpfen mit Aromen, Texturen und Strukturen, in ihrer Küche geht es häufig um Sieg oder Niederlage. Die Frage „Schmeckt’s?“ scheint da fast schon zu banal (Deutschlandfunk, 17. August, 20 Uhr 05).

Das neue Soloprogramm des Berliner Kabarettisten Frank Lüdecke ist dem Internet gewidmet. Ein Abend über Prophetien und Verheißungen, über Gurus und Normalverbraucher, über die Schwarmintelligenz, deren Ruf schon mal besser gewesen ist. Lüdecke besitzt ein scharfes Gespür für die Paradoxien der westlichen Existenz, ist Spezialist für geistige Irritationen und Experte fürs Tragikomische. In der Reihe „Kabarett, Comedy & schräge Lieder“ stellt Autor Luigi Lauer den Kabarettisten und sein neues Programm „Schnee von morgen“ vor (Deutschlandfunk, 20. August, 21 Uhr 05).

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