Im RADIO : Kanzler-Gattin wird entführt

Von Andres Veiel bis Christoph Schlingensief: Was Sie diese Woche im Hörfunk nicht verpassen sollten.

Tom Peuckert

Der Filmemacher Andres Veiel hat den Terrorismus im Westen und die Jugendgewalt im Osten dokumentiert. Er hat einen Film über Deutschlands beste Schauspielschule gemacht. Sein jüngstes Studienobjekt sind Männer und Frauen aus den Vorstandsetagen großer deutscher Bankinstitute. Veiels Hörspiel „Das Himberreich“ entstand aus Interviews mit Managern, die führend an der Bankenkrise beteiligt waren. Ein spannender Querschnitt durch die Gedankenwelt von Leuten, die für Geldvermehrung sorgen sollten, aber als Geldvernichter endeten. (Kulturradio vom RBB, 9. Mai, 22 Uhr 04, UKW 92,4 MHz)

Der Dichter Rilke hielt nicht jene für bedauernswert, die an unerfüllter Sehnsucht leiden, sondern die, die keine Sehnsucht mehr in sich spüren. Sehnsucht ist ein Lebenselixier, eine psychische Antriebskraft, der Motor großer Taten. Burkhard Reinartz’ Feature „An den Ufern der Sehnsucht“ erzählt über das, was Menschen sehnsüchtig macht. Sehnsucht nach Geborgenheit, nach Liebe, nach einer heilen Welt. Kleine Phänomenologie eines großen Gefühls (Deutschlandfunk, 11. Mai, 20 Uhr 05, UKW 97,7 MHz).

Der Radio-Tatort vom Bayerischen Rundfunk führt stets in die fiktive Provinzstadt Bruck am Inn. Hier ermitteln nicht Spezialisten des gehobenen Kriminaldiensts, sondern Senta und Rudi, zwei Ortspolizisten. In Robert Hültners Krimi „Wallfahrt“ beweisen die beiden einmal mehr, dass sie es mit dem lokalen Verbrechen aufnehmen können. Eine idyllisch vor den Toren der Stadt gelegene Kirche soll als Wallfahrtsort etabliert werden. Allerdings würde man dort eines höchst dubiosen Märtyrers gedenken (Kulturradio vom RBB, 12. Mai, 22 Uhr 04).

Zwei liberale Politiker gründen eine Sonntagszeitung, um den Journalismus aus allen Zwängen zu befreien. Als die Gattin des Bundeskanzlers entführt wird, scheint das der ideale Aufmacher für die erste Nummer der Zeitung. Aber dann stellt sich heraus, dass ein ehrgeiziger Reporter die Entführung nur inszeniert hat. Die ohnehin fragile Beziehung zwischen der Wirklichkeit und den Nachrichten geht vollends in die Brüche. „Rosebud“ hieß Christoph Schlingensiefs Hörspiel über Politik, Medien und Wahrheit in der fortgeschrittenen Spaßgesellschaft. Vor zehn Jahren hat er das muntere Chaos im Radio selbst inszeniert (Deutschlandfunk, 13. Mai, 20 Uhr 10).

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